Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn.
- Gustav Senn
- Date:
- 1933
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Credit: Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn. Source: Wellcome Collection.
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![legenheit, sie anzugreifen. Obwohl er auch den Empirikern selten beipfliditet, deren Ablehnung der Naturphilosophie verständlidier- weise seinen Widersprudi hervorrufen mußte, hat er von ihnen doch mandie wichtige Dinge übernommen, so z. B. die Wert¬ schätzung der oft wiederholten Wahrnehmung (vgl. S. 167). Die engsten Beziehungen verbinden ihn jedoch mit der pneu- matisdien Schule. Denn wenn er mit seiner Philosophie auf aristo¬ telisch-stoischem Boden steht, so trifft dies ja auch für die Pneu- matiker zu. Von diesen hatte er auch seine Krankheitstheorie, seine Fieber- und Pulslehre mit nur geringen Vorbehalten über¬ nommen. Seine engen Beziehungen zu dieser Schule ergeben sich nicht zuletzt auch aus dem Umstande, daß er sie äußerst selten angreift, noch seltener sonst zitiert und ihre Lehre nie ausführlich darstellt; hätte er doch in der Hauptsache seine eigene Lehre beschreiben müssen! Denn daß er die Arterien als mit Blut und Pneuma gefüllt betrachtete, ist von Ardiigenes Auffassung nicht so sehr verschieden, der angenommen hatte, daß sie abwechselnd Pneuma und Blut enthielten (S. 184). Auch in methodischer Hinsicht stand er in der Hauptsache auf dem Boden der Pneu- matiker. Seine Erklärung, er gehöre zu keiner medizinischen Sdiule1, sollte wohl nur den Anschein erwecken, als sei er ein durchaus selbständiger Forscher. Wie wir aber gesehen haben, war er dies nicht, sondern ein Eklektiker von allerdings encyclo- paedischem Wissen, und ein großer Systematiker. Bei der Ver¬ arbeitung seiner biologischen Beobachtungen gewährte er aber seinen philosophisch-deduktiven Gedankengängen häufig mehr Einfluß, als die beobachteten Tatsachen zuließen; darum kam er in methodischer Beziehung über Aristoteles nicht hinaus. Ja er hat nidit einmal den Standpunkt vertreten, den dieser in seinem Spät¬ werk „Über die Entstehung der Tiere eingenommen hatte, wo¬ nach die deduzierten Feststellungen nur provisorisdie Geltung haben, bis sie durch Beobachtung ersetzt werden können. Das hinderte natürlidi nicht, daß Galen in der ärztlichen Kunst Hervor¬ ragendes geleistet und darin audi Neues gefunden hat. * * * 1 {JL7]T cup cugsaecog zivog sfiavzov avayogsvaag krankheiten. Kap. 8. Kühn V S. 43. Z. 8. ötaiisvco. Über Geistes-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29978622_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


