Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn.
- Gustav Senn
- Date:
- 1933
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Credit: Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn. Source: Wellcome Collection.
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![i Parmenides Augen bloß den Wert von Meinungen, von ööuu. 3 Sein Versuch, das Denken völlig zu verselbständigen und von > jeder Beeinflussung durch die Sinne unabhängig zu machen, ist Ii schon, und zwar mit Recht, als eine kühne Geistestat bezeichnet ; worden. Ihr zufolge vermochte sidi das logische Denken in relativ [ kurzer Zeit zu staunenswerter Höhe zu entwickeln. Daß Parmenides » die sinnlidie W ahrnehmung als Erkenntnisquelle völlig verwarf, 3ist insofern verständlidi, als er sidi nicht für die Vorgänge der :isichtbaren Welt interessierte, sondern nur für das, was hinter Men Erscheinungen steht und wirksam ist, eben das absolut „Sei- rende”, sowie die wirkenden Kräfte, die „Endursadien”. Obwohl sein Gegner Heraklit der Sinneswahrnehmung keine i absolute, sondern nur bedingte Bedeutung beigemessen hatte, j wurden durch die Schärfe, mit weicher Parmenides seinen extremen ; Standpunkt formulierte, alle spätem Denker gezwungen, zur • Frage Stellung zu nehmen, ob die verstandesmäßige Überlegung, ‘ der Äöyog, oder die Sinneswahrnehmung, die (daOrjOig, die sicherere *] Erkenntnisquelle sei. Sie haben diese Frage in verschiedener 1 Weise beantwortet. So maditen Zenon und Melissos, sowie Platon r und Eukleides von Megara den parmenideischen Standpunkt mit i leichten Varianten zu dem ihrigen. Wie Heraklit sprachen Empe- (dokles, Anaxagoras und Demokrit der Sinneswahrnehmung große :i Bedeutung zu, betonten aber auch die Notwendigkeit, die W ahr¬ nehmungen der Sinne stets durdi den Verstand zu prüfen, ln 1 praxi hat das auch der große Ko er getan; allerdings ist uns keine ► Stelle überliefert, in der er dies ausdrücklich sagt. LImgekehrt 3 stellte der hippokratische Verfasser der „Alten Medizin” das Postulat auf, daß jede Theorie auf ihre Richtigkeit geprüft werden ? müsse, was offenbar auf Grund von Sinneswahrnehmungen ge- 1 schehen sollte. Daß diese aber nicht alle gleich zuverlässig seien, hatte sdion 1 Heraklit erkannt; hielt er doch die durch die Augen vermittelten ' Wahrnehmungen für sicherer als die Empfindungen der Ohren. Daß uns letztere tatsächlich viele Geräusdie nicht erkennen lassen, hat Zenon gezeigt, und dabei den Begriff der Reizschwelle vor- ! ausgeahnt, wenn auch noch nicht klar erkannt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29978622_0209.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


