Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn.
- Gustav Senn
- Date:
- 1933
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Credit: Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn. Source: Wellcome Collection.
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![, . .. .■■■■.. ■ ... » I welches die Organisation von Tier und Pflanze zu verstehen er- i laube. Dieses Prinzip wurde später, abgesehen von Theophrast in >| seinen Frühwerken, selten angewandt, bis es durdi die Stoa auf- j gegriffen und in philosophisch-theologischem Sinne weiter ent- / wickelt wurde. Von den späteren Biologen der Antike hat be- ► sonders Galen es als wirksam bezeichnet, es aber durdi die über- i triebene Anwendung auf den menschlichen und tierischen Organis- i mus eigentlich ad absurdum geführt. Da ja die Zweckmäßigkeit, f die in manchen Organisationsverhältnissen von Tier und Pflanze j erkannt oder wenigstens vermutet werden kann, selbst ein Prob- ) lern bildet, können andere Probleme nidit mit ihm gelöst werden. ' Ein Erkennen der unsichtbaren Kräfte, die im Organismus wirken, } ist darum auf diesem Wege nicht möglich. Während nun Aristoteles in seinem Spätwerk „Über die Ent- i widdung der Tiere” die Begleiterscheinungen dazu benützte, um | bestimmte Erscheinungen mit den deduzierten Größen des in I den Tieren enthaltenen „Warmen” und „Kalten” zu erklären, ; unternahm es sein Schüler Theophrast in der Schrift „Über das i alljährliche Sprossen” umgekehrt, aus den sichtbaren Begleiterschei- : nungen, den qoaivopeva, nach dem Vorgang des Anaxagoras (vgl. j S.34 Anm. l) auf die Wirkungsweise des unsichtbaren, äd^lov „War- r men” Schlüsse zu ziehen. Er formulierte den Satz, daß wir die aus- t schließlich dem denkenden Verstände zugänglidien Dinge nur mit I Hilfe der Begleiterscheinungen erfassen können. Damit sprach er | die heutigentags allgemein als richtig anerkannte Ansicht aus, daß 1 man die Naturkräfte nicht als solche, sondern nur auf Grund ihrer f Wirkungen studieren könne. Bei der Anwendung dieses Prinzips 1 fand Theophrast den Weg zur biologischen I'orsdiungsmetliode 5 allerdings noch nicht, da er versuchte, die Lebensvorgänge un- i mittelbar auf die Wirkungen der Naturkräfte, d. h. des „W armen j und des „Kalten” zurückzuführen und sich dabei genötigt sah, die ^ Analogie zu Hilfe zu nehmen. Als er aber später offenbar er- 1 kannte, daß die Begleiterscheinungen nidit ausreichen, um die 1 unsichtbaren Kräfte zu erkennen, welche in den Organismen wiik- <j sam sind, und da er gefunden hatte, daß das von Aristoteles auf- ] gestellte Prinzip der Zweckmäßigkeit im Pflanzenreich häufig nidit i maßgebend sei, verzichtete er in seinen Spät werken darauf, die](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29978622_0221.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


