Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn.
- Gustav Senn
- Date:
- 1933
Licence: In copyright
Credit: Die Entwicklung der biologischen Forschungsmethode in der Antike und ihre grundsätzliche Förderung durch Theophrast von Eresos / von G. Senn. Source: Wellcome Collection.
234/272 page 228
![also einer beobachtbaren „Begleiterscheinung”, eines „Nebenvorganges”. In allen vier Bedeutungen verwendet audi Theophrast dieses Verbum, ln seiner kritischen Schrift „Über das alljährliche Sprossen” (C. 1. 10-22) und in seinen Spätwerken gebraucht er es aber nur nodi in der Bedeutung von „Begleiterscheinungen”, so z. B. in Gaus, plant. 1. 21. 4. Aus den an diese Stelle sich an¬ schließenden Ausführungen geht hervor, daß es sich auch hier um beobachtbare Vorgänge und um Begleiterscheinungen handelt, aus welchen z. B. auf die wärmende Wirkung einer Pflanze ge¬ schlossen werden kann. Da man die Wärme dieser Pflanzen nicht direkt, d. h. beim Anfassen mit dem Gefühl wahrzunehmen ver¬ mag, handelt es sich dabei um eine Nebenwirkung, eine Begleit¬ erscheinung. Ich habe diesen Ausdruck seinerzeit mit „Begleitum¬ stände” wiedergegeben (Senn IQ2Qc. S. 221 f.). Nun wendet Theo¬ phrast an dieser Stelle das Part, perfecti zä ovgßeßrixöza an, ob¬ wohl es sich um Vorgänge handelt, die sich wie die von Aristoteles in Pol. 1302. a. 4 und Gen. an. 760. b. 27 ff. erwähnten Fälle immer wieder abspielen, und für welche dieser dort das Part, praes. zä avpßaivovza verwendet hat. Aus der Tatsache aber, daß Theophrast das Part, praes. an zwei anderen Stellen (H. III. I. 2 und VII. 5- 4 Ende) in genau derselben Bedeutung anwendet wie in C. 1. 21. 4 das Perfekt, ergibt sich, daß letzteres hier dem Präsens gleich¬ wertig ist. Tatsächlidi gehört ßatveiv zu den Verben, deren Perfekt völlige Präsens - Bedeutung hat, allerdings audi „ein iteratives Bedeutungsmoment” zum Ausdruck bringt (Wackernagel IQ20 S. 167). In diesem Sinne paßt das Part. perf. avgßeßrixöza besonders gut für die stets wieder beobachtbaren Vorgänge, die Theophrast im Auge hat. Wenn Aristoteles an den sub. 3 zitierten Stellen viel¬ leicht zwischen perfektischer und präsentischer Bedeutung noch einen Untersdiied gemacht hat, trifft dies bei Theophrast nicht mehr zu. Bei ihm sind die ovf,cßsßt]xöza wie die ovpßaCvovza Begleit¬ erscheinungen, die man immer wieder eintreten sieht. Diese haben in seinen Spätwerken deshalb große Bedeutung gewonnen, weil sie ihm erlaubten, Schlüsse auf das Zustandekommen der in der Natur sich abspielenden Vorgänge zu ziehen, diese also ohne Zu¬ hilfenahme von „Endursachen” zu erklären (vgl. S. 112).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29978622_0234.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


