Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Dr. Ludwig Hopf.
- Ludwig Hopf
- Date:
- 1904
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Credit: Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern : ein Beitrag zur Geschichte der Anatomie / von Dr. Ludwig Hopf. Source: Wellcome Collection.
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![32. Woche wurde es beobachtet, wie es auf dem Rücken liegend, seine vertikal emporgestreckten Beine lange ansah, dann mit seinen Händen nach den Füßen griff und die Zehen in den Mund führte. Erst durch diese Spiele, welche die Vorstellung von den Gliedern des eigenen Körpers erwecken, entsteht allmählich das Ichgefühl,- wenn dasselbe auch im 15. Monat so wenig entwickelt ist, daß sich das Kind in den eigenen Finger beißt und noch im 23. Monat so unklar, daß es, auf dem Boden sitzend, seinem eigenen Fuße einen Zwieback anbietet. Ist das Kind aber einmal zur Klarheit über die einzelnen Teile seines Körpers, zum primitiven Verständnis der gesprochenen Worte und zu den ersten Anfängen des eigenen Sprechens ge- langt, so macht es ihm das größte Vergnügen, die Frage: ,,Wo ist dein Kopf? Wo ist deine Hand? Wo ist dein Fuß? mit lautem ,,da, da, da zu beantworten. Diese Bezeichnungen der äußeren, sieht- und fühlbaren Körperteile mit beson- deren, jedem Volke eigenen Namen sind für unsere Be- trachtung außerordentlich wichtig, denn sie bilden in Wirklichkeit die Uranfänge der Anatomie. Wir finden dieselben bei allen Völkern der Erde; sie alle aufzuzählen, würde allein den Umfang des allergrößten Buches erfordern. Es dürfte genügen, den Wortschatz der alten Kulturvölker heranzuziehen, wenn sich auch leider unsere Kenntnis noch vielfach mangelhaft erweist und die Quellen vielmals verschlossen bleiben. Was die alten Kulturvölker in Babylon und Assyrien betrifft, so hatten schon ihre Vorläufer, die ins 4.—5. Jahr- tausend v. Chr. zurückreichenden Sumerer eine Bilderschrift, welche reichlich Bilder von Körperteilen aufweist. Diese Bilder- schrift wurde später keilförmig, doch muß der Ersatz der Bilder durch die Keilschriftzeichen für den Nichtphilologen unverstanden bleiben, so wenn nach v. Oefele*) die mamma ^ in alter Schrift in späterer Schrift ^]]]^ geschrieben wird. (Die Milchdrüsen, die außer dem Menschen nur bei den Affen und Fledermäusen an der Brust sitzen, wurden keilschriftlich aus Analogie mit den Haus- tieren gleichlautend auch auf die menschlichen Weichen über- tragen)**). Leider harrt das Meiste, was von Tafelresten der •) Handbucli der Gesch. der Medizin, Jena, Gust. l-'isclier 1901. Bd. I, S. 58. **) V. Oelde, Kcilschriftmedizin in Parallelen, S. 16.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24757111_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


