Zur Operation der Hypophysisgeschwülste / von Prof. Freiherrn von Eiselsberg.
- Eiselsberg, Anton, Freiherr von, 1860-1939.
- Date:
- [1913]
Licence: In copyright
Credit: Zur Operation der Hypophysisgeschwülste / von Prof. Freiherrn von Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
9/86 (page 7)
![abnormen Verhältnisse fast ebenso gut zu erkennen sind, als wenn das Röntgen- bild reproducirt würde. Die Skizzen sind direct vom Röntgenbild mittelst Pause gewonnen. Der bei der Aufnahme im Juni 1907 constatirte Status ergab Folgendes; 20 Jahre alter, geistig gut entwickelter Bursche von ausgesprochen femininem Typus mit starker Fettansammlung im subcutanen Zellgewebe. Der Augen- befund (Klinik Fuchs) ergiebt links Amaurose, rechts Fingerzählen auf 2^/3 ™ Entfernung, dabei deutlicher Ausfall der temporalen Gesichtsfeldhälfte. Es wurde auf Grund des Augenbefundes, der Verfettung und des Röntgenbildes die Diagnose auf Tumor der Hypophysis gestellt und ein operativer Eingriff in Aussicht genommen. Operation am 21. Juni 1907: In Morphin-Chloroform-Narkose wird im Wesentlichen nach der Schloffer’schen Methode vorgegangen, die Nase Umschnitten, nach.rechts umgeklappt (nach Bruns), das Septum durchtrennt. Erweiterung des Schnittes zu einem Stimmgabelschnitte (s. Fig. 3) und Ent- fernung der Vorderwand des Sinus frontalis. Fortsetzung der Operation wegen starker Blutung bei hängendem Kopf. Nun erfolgt stückweise Ausräumung der Nase, vor Allem des Vomer und der Muscheln bis an die Keilbeinhöhle heran. Vorsichtige Wegnahme der unteren Knochenlamelle und dann der hinteren Keilbeinhöhleuwand, worauf die Ilypophysengegend freiliegt, an welcher keinerlei Pulsation wahrnehmbar ist. Mediane Eröffnung, wonach sich eine bräunliche Flüssigkeit entleert. Beim Eingehen mit dem Löffel findet man einen relativ grossen Hohlraum und es wird deutliche Pulsation constatirt. Mittelst Scheere und Pincette wird so viel als möglich von der Umgebung des Schnitt- randes weggenommen, dann ein Isoformdocht eingelegt, welcher aus dem Nasen- loch herausgeleitet wird, ein zweiter in die Stirnhöhle, ein dritter in die Nase. Exacte Hautnaht, auch des Septum nasi, Verband. Die mikroskopische Untersuchung (Prof. Störk) ergab die Sackwand aus derbem, duraartigera Gewebe, deren Fasern durch einen Tumor epithelialen Charakters auseinandergedrängt waren, wahrscheinlich Carcinom der Hypo- physe im adenomatösen Vorstadium. Ob primär oder metastatisch lässt sich nicht sagen. Im Verlauf der ersten Woche war abendliche Temperatursteigerung und Entleerung von übelriec]iendem schleimigem Secret aus der Nase zu constatiren. Nach Entfernung des Tampons am 12. Tage trat die Entstellung deutlich her- vor. Vollständiges Fehlen des Geruchssinnes. Nach längerem Aufenthalt in der Anstalt des Dr. Fried mann in Vöslau, woselbst Elektricität, Hydro- therapie, sowie eine Mastcur angewendet wurde, fühlt sich Patient ganz wohl, kein Kopfweh mehr, merkliche Besserung des Visus. Sept. 1907. Die temporäre Gesichtshälfte sehr erweitert. Pat., der früher nur Finger zählen konnte, war im Stande, von Vöslau nach Wien zu fahren und allein umzusteigen. Trotz reichlicher Nahrung hat er um 2 kg abgenommen. Im weiteren Verlauf besserte sich der Befund. Ab und zu stellen sich noch Schmerzen ein. Pat. stellte sich im Laufe der Jahre wiederholt vor. Der Zu- stand war immer befriedigend. Geschlechtliche Reizungen sind im Laufe der Jahre nicht eingetreten, auch bot Pat. nach wie vor den femininen Typus dar.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22441517_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)