Volume 1
Die Wirkungen von Arzneimitteln und Giften auf das Auge : Handbuch für die gesammte ärztliche Praxis / von L. Lewin und H. Guillery.
- Lewin L. (Louis), 1850-1929.
- Date:
- 1905
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Credit: Die Wirkungen von Arzneimitteln und Giften auf das Auge : Handbuch für die gesammte ärztliche Praxis / von L. Lewin und H. Guillery. Source: Wellcome Collection.
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![Auge waren die Objecte kleiner. Am Nachmittag war das Auge beweg- lich und die Diplopie geschwunden. Chinin beseitigte das Leiden1). Ein anderer Kranker wies denselben Zustand ohne Doppeltsehen auf. 2. Apliidina. Manche Blattläuse besitzen einen entzündungserregenden Saft. Pferde, die mit Blattläusen versehenes Wicke- und Kleefutter frassen, bekamen Entzündung und Nekrotisirung verschiedener Hautstellen und hartnäckige Augenentzündungen. In diese Reihe ist auch der Atriplicismus einzuordnen. Atriplicismus. Die jungen Schösslinge von Atriplex angustissima und Atriplex serrata werden von den ärmsten Chinesen beinahe roh gegessen. Danach kann eine sehr merkwürdige Krankheit entstehen, die sich durch ein an Gesicht, Händen und Vorderarmen localisirtes Oe dem und ausserdem durch Bewegungs- und Empfindungsstörungen kundgiebt. An der ungeheuerlichen Schwellung der genannten Tlieile können auch die Augenlider theilnehmen und deshalb unbeweglich werden. Das Uedem schwindet in zwei bis drei Tagen.' Die Erkrankung entsteht wahrscheinlich durch eine auf der Pflanze schmarotzende Blattlaus. 3. Nematoden. Liegen auch keine directen experimentellen Beobachtungen über Giftwirkungen der Nematoden vor, so geben doch gelegentliche Selbst- beobachtungen und klinische Thatsachen, vor Allem aber toxikologische Betrachtungen durchaus genügende Anhaltspunkte, um solche anzunehmen. Die Gifte werden von den zu dieser Gruppe gehörenden Lebewesen in ihrem Leibesinnern erzeugt und sind wahrscheinlich nicht mit den Ex- creten im engeren Sinne identisch. Vielleicht spielen hier und da auch todte Würmer, beziehungsweise deren Zerfallsproducte eine Giftrolle. Es wurden bereits vor längerer Zeit diese und andere Entozoen in die Reihe der Giftthiere gesetzt2), und damit indirect ausgesprochen, dass es nicht der Darmreiz überhaupt oder allein ist, den man als Ursache für Seh- störungen bei manchen Wurm behafteten ansehen dürfe. Wir theilen nicht die allgemein herrschende Anschauung, dass sichere Beobachtungen über die durch Darmparasiten veranlagten Augenstörungen nicht existiren. Unserer Ueberzeugimg nach kommen echte Giftwirkungen : solcher Lebewesen häufiger vor, als sie diagnosticirt werden, und wir halten viele der älteren Beobachtungen über „Amblyopia verininosa“ für ätiologisch so einwandsfrei, wie ein toxikologisches Experiment. Neuer- dings ist auch von ophthalmoskopischer Seite vereinzelt auf die nosolo- gische Bedeutung der Helminten hingewiesen worden3). Es scheint uns I] 1) Staub, 1. c. 2) L. Löwin, Lehrbuch der Toxikologie. 2. Aull. 1897. 3) Andogsky, Klin. Monatsbl. 1'. Augenheilk. 1894. Bd. XXXII. S. 263. — Meurer, ibid. S. 352. U. Dewin und Gnillcry, Die Wirkungen von Arzneimitteln etc. 53](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21719743_0001_0847.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


