Die pathologische Histologie der Grosshirnrinden-Erkrankung : bei der allgemeinen progressiven Paralyse mit besonderer Berücksichtigung der acuten und Frühformen / von Otto Binswanger.
- Otto Binswanger
- Date:
- 1893
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die pathologische Histologie der Grosshirnrinden-Erkrankung : bei der allgemeinen progressiven Paralyse mit besonderer Berücksichtigung der acuten und Frühformen / von Otto Binswanger. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The University of Leeds Library. The original may be consulted at The University of Leeds Library.
171/192 page 169
![meine anatomischen Erfahrungen gegen diese Annahme: Der perien- cephalitische Prozeß ist bei frischen Fällen von unter- geordneter Bedeutung und besteht aus geringfügigen nur herdweise stärker entwickelten Endothelwucher un- gen. Er tritt in Erscheinung, wenn die Krankheitsprocesse inner- halb der Hirnrinde eine gewisse Ausdehnung erfahren haben, er steht also auf gleicher Linie mit den in früher erörtertem Sinne als chronisch eutzündliche Veränderungen aufzufassenden Krank- heitsvorgängen innerhalb der Hirnrinde. Die Wege, auf welchen der Krankeitsproceß zur Pia mater vordringt, sind durch die ana- tomischen Befunde klargestellt. Die Gewebszerstörung in der Rinde mit ihren Folgeerscheinungen führt zu stärkerer Ansammlung pathologisch veränderter Lymphflüssigkeit im extravasculären Saftbahnsystem. Ihr vernehmlichstes Abflußgebiet1) bilden die in der Gliahülle und an der Hirnoberfläche vorhandenen Sammelräume. Hier ver- ändert die gestaute Lymphflüssigkeit absterbendes Ge- webe im Sinne der Coagulations- und hyalinen Necrose, ruft aber auch hyperplastische Vorgänge an der angren- zenden Pia und deren Gefäßen hervor. Die Folgen dieser letzteren sind partielle Verwachsungen der Hirnoberfläche mit der Pia mater, Verödungen großer Abschnitte des epicerebralen Raumes, Verlegungen der Einmündungs- stellen der extra-und intravasculärenLymphräume. Alle diese Momente bedingen tiefgreifende Einwirkungen auf die Hirnrinde: Intensivere Stauung der Gewebsflüssigkeit innerhalb derselben und als weitere Folgeerscheinung: Ausweitung der Lymphwege, Druckatrophie des angren- zenden Gewebes, Beschleunigung necrobiotischer und entzündlicher (exsudativer) Vo.rgänge. Aus dieser Darlegung geht hervor; daß ich die meningiti- sche Erkrankung zwar nicht als einen ursprünglichen Krankheitsvorgang bei der progressiven Paralyse er- klare, jedoch derselben einen weittragenden Einfluß auf den ferneren Verlauf des Leidens einräume. Es ist mir durchaus wahrscheinlich, daß das Auftreten der flpr 2 ^ee]eich* Erwägung ist für die Genese der Ependymitia granularis der Hirnhohlen maßgebend. Eine anatomische Erörterung über diesen nach memer Erfahrung fast niemals fehlenden Befnnd liegt nicht im pZ'dSS](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21517332_0171.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


