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Credit: Lehrbuch der Geburtshulfe : fur Arzte und Studirende / von Paul Zweifel. Source: Wellcome Collection.
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![geschlechtsreifen Alter vor, also von der Pubertät bis zum Anfang der klhnacterischen Jahre (15. bis 47. Lebensjahr). Ja; dieser Vorgang ist gerade das Merkmal der Geschlechtsreife. Der Zusammenhang zwischen Ovulation und Menstruation. Es ist eine Frage der grössten Bedeutung für Theorie und Praxis, ob diese beiden Vorgänge zusammenhängen und welches ihre Beziehun- gen sind. Darüber gab es noch vor einigen Jahren eine feste Lehr- meinung. Heute wird diese von den verschiedensten Seiten angefochten. Dieser Stand macht es zur Aufgabe, die Für und Wider zu erwähnen. Irgend welche Gedanken über die Ovulation konnte man sich erst machen, seitdem man die Eier kennt. Darauf folgte die recht wenig überlegte Irrlehre von Carus, dass die Eier sich nur in Folge des Coitus lösten. Länger als sie es verdiente, blieb diese Hypothese unangefochten, trotzdem nur eine einzige Untersuchung der Ovarien einer Virgo intacta die Unhaltbarkeit erwiesen hätte. Wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir anerkennen, dass die Richtigstellung der Lehre von einigen französischen Aerzten angebahnt wurde. G e n d r i n stellte eine Spontanruptur der Graafschen Follikel auf, Negrier versuchte dieselbe These durch zwei höchst unglücklich ausgewählte Beobachtungen an der Leiche zu stützen, Pouch et (6) stellte dies als ein für die Thierwelt gültiges Gesetz auf. Den bestimmtesten experimentellen Beweis, einen Beweis, der die frisch bei der Brunst aus den Ovarien getretenen Eier ad oculos demonstrirte, erbrachte Bischoff für die Ovulation der Thiere (2). Bischoff war noch im Anfang seiner Untersuchungen von der Irrlehre über den Einfluss des Coitus befangen, bis er bei einer Hündin, welche er während der Brunst abgesperrt hielt, die aus- getretenen Eier in den Tuben fand. Bei den frei lebenden Thieren verläuft die Ovulation ganz gesetzmässig. Darwin machte darauf aufmerksam, dass die Brunst bei den Thieren ein und mehrmals im Jahr auftritt und zwar zu solchen Zeiten, dass nach vollendeter Tragzeit voraussichtlich gutes Futter für die Jungen vorhanden ist. Auf die Zeit der Brunst hin wachsen einzelne Graafsche Follikel an, platzen und entleeren ihre Eier. Zu gleicher Zeit sondern mehrere Thierspecies mehr oder weniger deutlich blutigen Schleim, ja reines Blut ab (Affen, Raubthiere, Katzen, Hunde, Wiederkäuer, besonders die Kuh). Die Berstung der Follikel erfolgt bald im Anfang, bald im Verlauf der Brunst. In den Tuben, die schon einige Stunden nach dem Belegen Spermatozoen enthalten, erfolgt gewöhnlich die Befruchtung. Das Ei selbst wandert viel langsamer vom Eierstock zum Uterus (Bischoff). Kölliker ([9] p. 237) fand z. B., dass das befruchtete Kaninchenei erst zwischen siebentem und achtem Tag im Uterus anwächst. Bischoff macht die Bemerkung, dass die Eier bei Hündinnen 8 — 10 Tage für die Wanderung durch die Tube brauchen, Charpentier*) bemisst diese Zeit auf 12-15 Tage, Hensen2) auf 3—5 Tage. Erwähnen wir zum Schluss noch, was man von der Lebensfähigkeit der Samenfäden weiss. Charpentier3) citirt eine Aeusserung von Percy, dass er noch 8 Tage 1) 0) p. 73. 2) (9) p. 62. 3) 1. c p. 93.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924715_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


