Neuritis und Polyneuritis / von Ernst Remak ; anatomischer und pathologisch-antomischer Theil bearbeitet von Edward Flatau.
- Remak, Ernst (Ernst Julius), 1848-1911.
- Date:
- 1900
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Credit: Neuritis und Polyneuritis / von Ernst Remak ; anatomischer und pathologisch-antomischer Theil bearbeitet von Edward Flatau. Source: Wellcome Collection.
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![aber auch nach einmaliger Vergiftung die neuritischen Symptome und unter ihnen die Lähmungen nicht etwa apoplectiform, sondern erst einige Zeit nach dem Ablauf der acuten Gastroenteritis meist subacut einsetzen (S. 196) und erst innerhalb von mehreren Wochen ihren Höhepunkt er- reichen, so fehlt es an unterscheidenden Momenten für diese Eintheilung. Immerhin war die Entwicklung bei ganz chronischer, z. B. professioneller, Vergiftung oder in Folge arsenhaltiger Tapeten des Schlafzimmers eine langsamere und sind die primären gastrischen Störungen nach diesen weniger ausgesprochen. 1. Als eine arsenicale Mononeuritis eigener Art kann ein nach Arsengebrauch mehrfach beobachteter Herpes zoster aufgefasst werden (vgl. S. 146). Hutchinson hat in zwei Arbeiten 16 Fälle von ausge- sprochenem Herpes zoster verschiedener Localisation, am häufigsten am Eumpfe, als Folge von Arsengebrauch beigebracht, Gowers hat etwa 12 Fälle beobachtet; ich selbst sah 3 Fälle von Zoster intercostalis bei mit Arsenik behandelten Choreakranken. Damit soll nicht das Vorkommen auch anderer bläschen- und blasenförmiger Arsenausschläge (Epstein, K. Gerhardt) bestritten werden. Schon Hutchinson theilte je einen Fall von Herpes labialis und praeputialis nach Arsengebrauch mit. Ueber- haupt ist das ätiologische Verhältniss der im Verlaufe der Arsenik- vergiftung häufig beobachteten Hautausschläge zu etwaigen Nervenverän- derungen und auch zu gleichzeitigen Lähmungen ebenso schwer abzu- grenzen wie z. B. nach Kohlenoxydvergiftung (vgl. S. 626). Ueber andere Arten von localisirter Arsenikneuritis besonders moto- rischer Nerven, z. B. des Facialis, scheinen eindeutige Erfahrungen nicht vorzuliegen. Stimmbandlähmungen konnten nur ganz vereinzelt auf chronische Arsenintoxication zurückgeführt werden (M. Mackenzie, P. Heymann), ünregelmässig disseminirte multiple Arsenlähmungen sind nicht beschrieben. 2. Unter den ausgeprägten Symptomen einer symmetrischen amyotrophischen Polyneuritis treten die meisten und besonders die acuteren Arsenlähmungen durchschnittlich vom zehnten Tage nach der Vergiftung ab (Alexander, Marik), mitunter etwas früher, aber auch noch später, nach zwei bis vier Wochen, auf. In dem Comby'sehen Falle war die Arsenmedication sogar schon 46 Tage ausgesetzt. Wie kaum bei einer anderen Form der Polyneuritis beherrschen sensible Eeiz- erscheinungen und nachfolgende objective Sensibilitätsstörungen das Krank- heitsbild. Schwereren Fällen verleihen später typisch localisirte Contrae- turen (ßetractionen [S. 170]) einen speciellen Charakter. Trophische Ver- änderungen der Haut sind nicht selten. Die von Seeligmüller 1881 im Gegensatze zur Bleilähmung hervorgehobene vorzugsweise Erkrankung der Unterextremitäten hat sich](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21294641_0730.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)