Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. I. Bd. 2. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos.
- Date:
- 1870
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Credit: Archiv für Augen- und Ohrenheilkunde. I. Bd. 2. Abtheilung / herausgegeben in deutscher und englischer Sprache von H. Knapp und S. Moos. Source: Wellcome Collection.
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![weder der Netzhaut-, noch der Chorioidealgefässe harmonirte Gleich nach der Enucleation durchschnitt ich den Bulbus im Aequator und liess das sich mir darhietende Bild zeichnen. (Siehe Fig. 3). Ausser der von mir mit dem Spiegel wahrgenommenen Ge- schwulst in der Gegend der Macula lutea hatte der Schnitt noch einen mehr peripher in der Nähe des Aequätors belegenen kleinen Sarkomknoten getroffen, an dem die Netzhaut ebenfalls dicht anliegt. In diesen drei Fällen, in denen ich Gelegenheit hatte, Ader- hautsarkome im ersten Anfänge ihrer Entwickelung mit dem Augenspiegel zu untersuchen, hatten dieselben schon eine so grosse Ausdehnung erreicht, dass sie das Sehen wesentlich beeinträchtigten, und doch war keine Spur einer Netzhautabh’isung vorhanden, sondern sowohl die Spiegeluntersuchung als auch das anatomische Präparat ergab, dass die Netzhaut in unmittelbarer Berührung mit dem Geschwulstknoten geblieben war. Was die Augenspiegel-Untersuchung anbelangt, so lässt sich allerdings sagen, dass dieselbe nur während einer verhältnissmässig kurzen Zeit der Entwickelung vorgenommen werden konnte. Ich muss auch zugeben, dass ich für die beiden ersten Fälle mich in Bezug auf diesen Punkt nur auf mein Gedächtniss verlassen kann, da mir gleichzeitige Aufzeichnungen fehlen. Auch könnte man der Meinung sein, ich sei damals auf diesen Punkt weniger aufmerksam gewesen, weil die Streitfrage noch nicht formulirt war. In Bezug auf den letzten Fall aber kann ich mit aller Entschiedenheit be- haupten, dass die Spiegeluntersuchung keinen anderi] Schluss zu- lies, als dass die Netzhaut auf der Geschwulst eben so innig mit derselben verbunden war, wie zur Seite mit der Chorioidea. Die Spiegeluntersuchung kann also nicht für alle drei Fälle die in Rede stehende Frage entscheiden. Anders ist es mit dem anatomischen Befunde. Im ersten und dritten Präparate liegt die Netzhaut dem Aderhautsarkom unmittelbar an, obwohl wir es nur in dem dritten Falle mit einem ganz frischen, im ersten dagegen mit einem jahrelang bestehenden Sarkome zu thun haben. Allerdings muss zugestanden werden, dass in allen drei Fällen die Form des Sarkomes von den gewöhnlichen abweicht. Ein längere Zeit bestehendes Aderhautsarkom, das gegen den Glas- körper hin sich ausdehnt, nimmt sehr bald, wenn nicht von An- fang an, eine mehr oder weniger kugelförmige Gestalt an; hier prominiren die Geschwülste nur wenig, sind flach und erheben sich nicht steil und auch weniger überhängend von der Aderhaut aus.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22449838_0228.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


