Atlas und Lehrbuch der Hygiene : mit besonderer Berücksichtigung der Städte-Hygiene / herausgegeben von W. Prausnitz.
- Date:
- 1909
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Credit: Atlas und Lehrbuch der Hygiene : mit besonderer Berücksichtigung der Städte-Hygiene / herausgegeben von W. Prausnitz. Source: Wellcome Collection.
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![Dach- vorsprünge Wetter- mäntel porigen Verputz; letztere hingegen namentlich eine möglichst undurchlässige, also dichte Aussenfläche. Die zweite Forderung steht im Widerspruch mit der ersten. Um beide miteinander auszusöhnen, müsste man entweder die Aussenflächen so lange unverputzt, bezw. unausgefugt lassen bis das Mauerwerk völlig trocken und erhärtet ist, was bei Kalkmörtel sehr lange dauert, und dann erst eine wasserdichte Beklei- dung der Wand aufbringen, bezw. die Fugen mit dichtem Mörtel ausstreichen; oder man verputzt und verfugt porig, schützt aber die Mauer in anderer Weise gegen Schlagregen. Die Bedenken und Schwierigkeiten, die sich dem ersten Verfahren entgegen- stellen, sind in meinen bisherigen Ausführungen hinreichend klargelegt; hier will ich nur hinzufügen, dass die Bekleidung der Aussenwände mit Tonplatten, Glas, dichten Gesteinen usw. wegen ihrer grossen Kostspieligkeit für die ungeheure Mehrheit aller Wohnbauten ohnedies ausser Betracht bleiben muss; wo ihre Anwendung möglich ist, kann und soll man die Mauern in hydraulischem Mörtel aufführen und ihnen eine ausgiebige Trockenzeit gönnen. Die gleiche Vorsicht ist auch nötig, wenn ein dichter hydraulischer Putz oder Silikatanstrich angewendet werden soll. Oelanstrich darf erst lange nach Vollendung des Bauwerkes aufgebracht werden, weil er von freien Alkalien durch Verseifung zerstört wird. Ueber den zweiten Weg ist zunächst zu bemerken, dass das Schutzbedürfnis poriger Aussenflächen gegen Schlagregen je nach Umständen sehr verschieden sein kann, ln dicht und geschlossen verbauten Städten verzichtet man meist gänzlich auf einen besonderen Schutz, da der Regenaufschlag hier nie oder nur ausnahmsweise so stark wird um eine an sich trockene U/a Stein oder mehr starke Mauer in schädlicher Weise zu durchfeuchten. Auch bei offener Bauweise und auf dem Lande kann man sehr oft die Schutzmassregeln auf die sogen. Wetterseiten beschränken, d. h. auf die- jenigen, von denen erfahrungsgemäss regenbringender Wind zu erwarten ist; in Europa ist dies vorwiegend die Westseite. Als Schutzmittel dienen sehr häufig stark vorspringende Dächer, die zugleich die Mauern vor übermässiger Sonnenbestrahlung schützen, wie z. B. in der ländlichen Bauweise der Alpenländer, dann in Italien usw. Allerdings erstreckt sich deren schützende Wirkung bei stärkerem Wind nur auf das oberste Geschoss des Hauses; daher die Wiederholung des Vorsprunges in Gestalt ringsumlaufender Baikone beim bayerischen, schweizer und tiroler Bauernhaus (Bild 86), die umlaufende Halle (porch) des amerikanischen Landhauses (Bild 88) und aller tropischen Gebäude.*) Wo dies nicht genügt oder nicht angewendet werden kann, findet man sehr häufig eine Be- kleidung der Mauer mit lotrechter Bretterschalung und Deckleisten (Bild 86, Ober- bayern), oder mit wagrechter, übergreifender Schalung (Amerika, Bild 90 und 92) oder mit einer Haut nach Art der Dachdeckungen, die auf entsprechender Lattenunterlage befestigt wird und aus Spaltschindeln (Allgäu, Vorarlberg, Schwarzwald [Bild 93| Schweiz, Nordamerika [Bild 89] usw.) oder Schiefer (Thüringen, Lausitz, Harz [Bild 91], *) Vergl. Emmerich a. a. O.. S 41S; doch bin ich keineswegs mit allem einverstanden, was dort namentlich gegen steile Dächer vorgebracht ist. D. Verf.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28134916_0070.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


