Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick.
- Fröhner, Eugen, 1858-1940.
- Date:
- 1932
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Credit: Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick. Source: Wellcome Collection.
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![pyämisch erkrankter Schlachttiere, vielleicht auch von postmortal in¬ fiziertem Fleisch (Bakterien der Paratyphus-Enteritisgruppe), zu suchen. Ueber die hierbei mitwirkenden einzelnen Bakterien ist bei den Tieren wenig bekannt. Beim Menschen hat man als Erreger der Fleisch¬ vergiftung zahlreiche Mikroorganismen bakteriologisch nachgewiesen (Bacillus enteritidis Breslau und Gärtner, Paratyphus¬ bazillen [Paratyphus-B. Schottmüller]), die teils intravital (Septikämie), teils postmortal (Bacillus paratyphosus B. Schottmüller) das Fleisch in¬ fiziert haben. Die Behandlung beim Hund besteht in der Yerabreichung von Kalomel und in der Anwendung von Exzitantien. 2. Die Wurstvergiftung (Botulismus, Allantiasis) wird durch den spezifischen Bacillus botulinus verursacht, welcher j edoch nicht bloss auf Würsten, sondern auch auf faulem Fleisch, Schinken usw. vor¬ kommt. Das Krankheitsbild besteht hauptsächlich in einer Lähmung des 2.-6. Gehirnnerven. Die Erscheinungen bestehen daher in Seh¬ störungen, Pupillenerweiterung und Erblindung (Optikuslähmung), Ptosis (Lähmung des oberen Augenlides) und Akkommodationslähmung (Okulomotoriuslähmung) sowie Schielen (Trochlearis- und Abduzens¬ lähmung). Ausserdem treten Schlinglähmung (Glossopharyngeusläh- mung), Aphonie (Rekurrenslähmung) und Tympanitis (Vaguslähmung) auf. In manchen Fällen stimmen die Erscheinungen der Wurstvergiftung mit dem Krankheitsbild der Fleischvergiftung überein, jedoch beobachtet man dann statt Durchfall gewöhnlich Yerstopfung. Behandlung mit Bo¬ tulismusserum. 3. Die Fischvergiftung wird bei Schweinen nach der Yerfütterung von Heringlake beobachtet und durch Trimethylamin (Krampfgift) veranlasst. Die Schweine zeigen Kaukrämpfe, Eklampsie, Tetanus, Nystagmus und Zwangsbewegungen, zuweilen auch psychische Aufregung, Betäubung, Erblindung und Schlinglähmung. Magengeschwür. Im Gegensatz zu den oberflächlichen katarrhalischen Geschwüren beim Magenkatarrh (vgl. S. 9) bezeichnet man als p optisches oder rundes Magengeschwür (Ulcus ventriculi rotundum) ein nicht durch Entzündung, sondern durch Selbstverdauung des Magens entstandenes tiefes, rundliches Ge¬ schwür mit glatten, scharfen Rändern („wie mit dem Locheisen durchgeschlagen“). Ausser im Magen findet man das runde, peptische Geschwür auch im Duodenum (Duodenalgeschwür), jedoch nur im Anfangsteil (saure Reaktion des Inhalts vom Magen her). Die P a t h o g e n e s e des peptischen Magengeschwürs ist noch dunkel. Die frühere Annahme örtlicher Zirkulationsstörungen der Magenschleimhaut (Embolie, Anämie, Stauung) hat sich nicht bestätigt. Wahrscheinlich wirken einerseits Traumen mit spezifischer Wundinfektion (Streptokokken), bei Kälbern der zu rasche Ueber- gang von Milchnahrung zum Rauhfutter, andererseits ein übergrosser Salzsäure¬ gehalt des Magensaftes sowie eine nervöse Grundlage bei der Entstehung des pep¬ tischen Geschwürs mit (Erfahrungen beim Menschen). Bei den Haustieren sind echte peptische Geschwüre mit Ausnahme des Kalbes sehr selten beobachtet worden](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31355651_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


