Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick.
- Fröhner, Eugen, 1858-1940.
- Date:
- 1932
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Credit: Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick. Source: Wellcome Collection.
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![stationär. Yon England gelangte sie durch Zuchteber nach Schweden, Dänemark und Frankreich. Die Einschleppung nach Deutschland erfolgte im Jahr 1893, nach Ungarn im Jahr 1895. Zurzeit ist sie in Amerika und Europa sehr stark verbreitet. Das Virus der Schweinepest. Der ultravisible Erreger der Schweinepest ist im Blut, im Blutserum, in allen Organsäften, im Augen- und Nasensekret, im Inhalt der Hautpusteln, in der Galle, im Harn und im Kot kranker Schweine enthalten. Sehr leicht gelingt die künstliche Infektion, wobei die Menge des Virus und die Art seiner Einverleibung (intra- und subkutan, intramuskulär, intraperitoneal, intravenös, Fütterung, Inhalation) keine ausschlaggebende Holle spielen. 1—2 ccm Blut von akut kranken Schweinen rufen nach subkutaner Einspritzung bei Schweinen nach einer Inkubation von 3—10 Tagen mit Sicherheit die Krankheit hervor; aber auch schon kleinste Mengen (0,001—0,005 ccm) können ge¬ nügen (deshalb Vorsicht hei Impfungen: Uehertragung durch die infizierte Impfnadel, infiziertes Serum [Hotlaufserum]!). Auch von der verletzten und unverletzten Augen- und Nasenschleimhaut aus kann eine Infektion Zu¬ standekommen. Ausser dem Schwein sind alle übrigen Tiere (Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen, Geflügel, Hunde, Katzen, kleine und grosse Wiederkäuer, Pferde) unempfänglich. Tenazität des Virus. Das Virus der Schweinepest ist ausserhalb des Tierkörpers sehr widerstandsfähig. Niedere Temperaturen konservieren es monatelang (4—6 Monate; Ueberdauern des Virus im Gefrierfleisch und während der Wintermonate in einem infizierten Stall). Auch gegenüber höheren Temperaturen ist es verhältnismässig resistent und besonders in eiweisshaltigen Medien (Fleisch, Blut, Serum), weniger in eiweissfreien (Harn). Erwärmen hei 78° C vernichtet es in weniger als 60 Minuten. Dagegen ist es bei Einwirkung einer Temperatur von 51—60° C nach 2 Stunden noch nicht vernichtet. In vorschriftsmässig gepacktem Dünger geht es nach 3wöchiger Packung zugrunde. Pökeln und trockene Salzung während 4 Wochen genügen nicht zur Ab¬ tötung des Virus im Fleisch und in der Pökellake; in gepökeltem Schweine¬ fleisch kann es sich 315 Tage, in gesalzenen Schweinedärmen 164 Tage, in Pökellake 42 Tage lang erhalten. Auch gegen Austrocknung und die Einwirkung des Sonnenlichtes ist das Virus sehr widerstandsfähig, gegenüber der Austrocknung mindestens 3 Wochen, ja sogar Monate lang (in eiweissreichem Medium; Blut). Dagegen geht es durch Fäulnis unter natürlichen Verhältnissen verhältnismässig rasch zugrunde (im Harn innerhalb 1—2 Tagen, im Blut nach 5 Tagen, in Organen in weniger als 8 Tagen). Die gewöhnlichen Desinfektionsmittel töten das Virus nicht ah; als wirksam haben sich erwiesen: 6proz. Kresolwasser, 20proz.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31355651_0307.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


