Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick.
- Fröhner, Eugen, 1858-1940.
- Date:
- 1932
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Credit: Kompendium der speziellen Pathologie und Therapie für Tierärzte / von Eugen Fröhner und Wilhelm Zwick. Source: Wellcome Collection.
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![Therapie. Die Behandlung der Geflügeldiphtherie ist häufig von Erfolg begleitet, wenn sie frühzeitig vorgenommen wird. Sie besteht in der Bepinselung der diphtherisch erkrankten Haut- und Schleim¬ hautpartien mit desinfizierenden Flüssigkeiten (1—2prozentige Kreolinlösung [in gleichen Teilen Glyzerin und Wasser], 1 bis 2promillige Sublimatlösung, Jodtinktur, Milchsäure [3 bis 5proz.]). Auch innerliche Antiseptika können verabreicht werden. Die Prophyl axe besteht in der Absonderung der gesunden Tiere sowie in der Desinfektion der Ställe und Geräte. — Zur Schutzimpfung (aktive Immunisierung) von Hühnern dienen hauptsächlich das Tauben¬ pocken- oder ein ihm nahe verwandtes Virus (deutsche und holländische Impfstoffe); weniger oder nicht geeignet ist das chemisch oder thermisch abgeschwächte Hühnerpockenvirus (französische und amerikanische Impfstoffe). Zur Impfung von Tauben wird in Belgien ein abge¬ schwächtes (?) Taubenpockenvirus angewandt (Vorsicht; Gefahr einer künstlichen Infektion). Der ansteckende Schnupfen des Geflügels (Coryza contagiosa). Als ansteckender Schnupfen (Coryza contagiosa, Coryza infectiosa avium, Rhinitis infectiosa, ansteckender Nasenkatarrh, Darre, Roup, Cold) wird ein meist chronischer, ansteckender Katarrh der oberen Luftwege, besonders der Nasenhöhle und ihrer Nebenhöhlen sowie der Lidbindehäute bezeichnet. Vorkommen: Die Krankheit tritt zuweilen sporadisch, häufig aber seuchen¬ artig bei Hühnern, Puten, Tauben, seltener beim Wassergeflügel auf. Sie ergreift, be¬ sonders in den kälteren Jahreszeiten (Herbst, Winter, Frühjahr) und zu Zeiten von Witterungsumschlägen, Geflügel jeden Alters; jedoch erkranken Jungtiere besonders schwer. Ueber das Auftreten der Krankheit liegen Berichte aus verschiedenen Ländern vor (Deutschland, Frankreich, England, Holland, Belgien, Oesterreich, Ungarn, Italien, Amerika u. a.). Sie ist von beachtenswerter wirtschaftlicher Bedeutung. Die Aetiologie des Schnupfens ist noch nicht geklärt. Als Erreger kommt vielleicht ein filtrierbares Virus in Frage, daneben werden verschiedene in den Ent¬ zündungsprodukten gefundene Mikroben und zwar vor allem bipolare Bakterien, ferner der früher als Erreger der Geflügeldiphtherie beschuldigte Klebs-Löfflersche Bazillus, außerdem ein influenzaähnliches Bakterium, das Bacterium coli, das Bac- terium pyocyaneum, Staphylokokken, säurefeste Stäbchen, Spirochäten u. a. als Krank¬ heitserreger beschuldigt. Diese haben indessen keine primäre, sondern nur eine sekun¬ däre Bedeutung. Das Pockenvirus kommt als Erreger des echten Schnupfens nicht in Frage (keine kreuzweise Immunität zwischen Pocken und Schnupfen), jedoch kann eine Pocken-Diphtherie-Erkrankung auch von schnupfenartigen Krankheitserscheinungen be¬ gleitet sein. Ein dem Schnupfen ebenfalls sehr ähnliches Krankheitsbild entsteht durch Vitamin-A-Mangel im Futter. Prädisponierend wirken Erkältungen, unhygienische Hal¬ tung und unzweckmässige Fütterung (Vitaminmangel). Die natürliche Ansteckung erfolgt durch Kontakt oder durch Aufnahme des mit den Entzündungsprodukten kranker Tiere infizierten Futters oder Trinkwassers. Handel und Verkehr mit Geflügel begünstigen die Weiterverbreitung der Krankheit. Künstlich gelingt die Uebertragung der Krankheit durch Kontaktinfektion und durch Einreiben von Nasenexsudat in die Nasenschleimhaut. Die Inkubationszeit beträgt etwa 8—12 Tage.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31355651_0344.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


