Die anatomische Nomenclatur. Nomina anatomica : Verzeichniss der von der anatomischen Gesellschaft auf ihrer IX. Versammlung in Basel angenommenen Namen / Eingeleitet und im Einverständniss mit dem Redactionsausschuss erläutert, von Wilhelm His.
- Wilhelm His
- Date:
- 1895
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Credit: Die anatomische Nomenclatur. Nomina anatomica : Verzeichniss der von der anatomischen Gesellschaft auf ihrer IX. Versammlung in Basel angenommenen Namen / Eingeleitet und im Einverständniss mit dem Redactionsausschuss erläutert, von Wilhelm His. Source: Wellcome Collection.
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![und auf 88 Leichenuntersuehungen sich stützend, die Behauptung ausge- sprochen, dass der Uterus mit den breiten Mutterbändern und den Ovarien der hinteren oberen Beckenwand dicht anliege, wie die Lungen der Rippen- wand. Das Ovarium soll horizontal oder mit wenig geneigter Axe in einer seichten G-rube der Fossa ovarii liegen, welche im fetthaltigen Binde- gewebe am oberen Rande des M. piriformis vor der Austrittsstelle der Vasa glutaea sup. ausgetieft sei. Die Vorderüäche des Ovariums soll von den Gedärmen durch die Ala vespertilionis völlig getrennt sein. Die Tuba folgt nach Claudius dem oberen Rande des Ovariums und wendet sich dann nach unten und hinten, so dass das Infundibulum in die laterale Hälfte der Fossa ovarii und hinter den Eierstock zu liegen kommt. Ante- versio und Anteflexio uteri sind nach Claudius durchaus pathologische Vorkommnisse. Letztere Behauptung ist bekanntlich durch die seitherigen Untersuchungen der Gynäkologen und der Anatomen als unhaltbar erwiesen, worüber man insbesondere das ausführliche Referat von K. Bardeleben^ vergleichen mag. Speciell in Betreff der Eierstöcke existiren eigentlich zwischen neueren Forschern, Gynäkologen und Anatomen, keine Differenzen mehr.2 Es liegen die Ovarien an der seitlichen Beckenwand, unmittelbar unter der Linea arcuata, die eine Fläche sieht median-, die andere lateral- wärts, der befestigte Rand sieht nach vorn, der freie nach rückwärts. Die Längsaxe des Ovariums steht nahezu parallel der Körperaxe; bei assym- metrischer Stellung des Uterus erfährt das Ovarium eine schräge Verlage- rung. Die zum Ovarium hinzutretenden Gefässe nebst der umgebenden Bauchfellfalte bilden für dasselbe, sowie für die Tuben, eine Art von Auf- hängeband, das Lig. Suspensorium ovarii der Commission. Da sich die Behauptungen von Claudius über die Stellung des Ova- riums als unhaltbar erwiesen haben, so sind wir nicht mehr berechtigt, von einer Fossa ovarica [Claudii] zu sprechen. Die grosse Mehr- zahl der Lehrbücher vermeidet auch diese Bezeichnung. Waldeyer,^ welcher sie noch gebraucht, steht hinsichtlich seiner Auffassung von der Eierstockslage auf dem oben präcisirten neuen Standpunkte. Die von ihm in's Auge gefasste Fossa ovarica kann somit nach Ort und nach Richtung mit der Claudius'sehen Grube nicht übereinstimmen. Nicht zu verwechseln mit der Fossa ovarica, welche als eine Vertiefung im Fett der Beckenwand beschrieben wird, ist die Bursa ovarii. Unter letzterem Namen versteht man eine intraperitoneal gelegene Tasche. So giebt z. B. Räuber'^ folgende Beschreibung: „Die weitere Befestigung des ^ Berichte der 2. Versammlung der anat. Gesellschaft. 1888. S. 45 fif. ^ His, Ueber die Lage der weiblichen Eierstöcke. Dies Archiv. 1881. S. 398. Waldeyer, Anat. Anzeiger. 1886. S. 44. ä Waldeyer, a. a. O. S. 44. * Eauber, Lehrbuch der Anatomie. Leipzig 1892. IL S. 673. Archiv f. A. u. Ph. 1895. Anat. Abthlg-. Suppl. 10](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2121864x_0153.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)