Abhandlungen über thermometrie : von Fahrenheit, Réaumur, Celsius, (1724, 1730-1733, 1742) / Hrsg. von A.J. von Oettingen. Mit 17 figuren im text.
- Arthur von Oettingen
- Date:
- 1894
Licence: Public Domain Mark
Credit: Abhandlungen über thermometrie : von Fahrenheit, Réaumur, Celsius, (1724, 1730-1733, 1742) / Hrsg. von A.J. von Oettingen. Mit 17 figuren im text. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
115/144 page 113
![berechnen wäre. Oft finden wir Wahrheiten auf verschiede- nen Wegen und von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Eine Kugel mit einer Röhre wurde mit Wasser gefüllt; wenn man Salz hineinschüttet, so steigt das Wasser bis zu einer gewis- sen Höhe auf, um sogleich nach Auflösung des Salzes wieder zu fallen. Dieser Versuch hatte Herrn Petit Je Medecin angeregt zu untersuchen, was im Gemenge von Säuren und Wasser sich zeigen werde. Diejenigen, welche zuerst bemerkt haben, dass das Wasser im Rohre sinke in dem Maasse, als es Salz auflöst, haben den Schluss gezogen, dass das gelöste Salz oder wenigstens ein Theil desselben sich in die Poren des Wassers begebe. [182] Ich sehe nicht ein, in wie fern die aus dem vori- gen Versuch gezogene Schlussfolgerung nothwendig sei, um zu verstehen, warum das Wasser in dem Maasse, als es Zucker auflöst, sinkt. Es findet sich ein anderer, weniger gesuchter Grund, der sicherlich Antheil hat an der Erscheinung und auf welchen man dieselbe gänzlich zurückführen muss, bis nachgewiesen wird, dass er nicht genüge, was aber nicht leicht geschehen wird. Werfe ich in ein mit Wasser gefülltes Gefäss einen kleinen Stein, der aus Sand besteht, wie unser Sandstein, so wird die Oberfläche des Wassers sofort anstei- gen um soviel, als das Volumen, welches der Stein verdrängt, beträgt. Nehmen wir nun an, die Sandtheile des Steines seien durch ein Klebemittel vereinigt, welches leicht von Wasser durchtränkt wird, so werden allmählich die Theilchen von einander getrennt werden, und der Stein wird in ein Sandhäufchen umgeformt sein. Aber in dem Maasse, als der Stein sozusagen aufgelöst sein wird, wird die Oberfläche des Wassers sinken, weil zwischen den Sandkörnern Poren waren, die nicht mehr bestehen werden nach der Trennung der Sand- körner, weil das Wasser den Raum einnimmt. Was wir soeben von einem Sandstein gesagt haben, giebt ein Bild von dem Vorgange der Auflösung des Zuckers. Auch der härteste Zucker ist schwammig, das ist sogar beim blossen An- blick bemerkbar, und wir können uns nicht von der Vorstel- lung befreien , dass Lücken in allen festen Salzen bestehen, auch wenn wir sie nicht sehen. Grobe Salzkrystalle, grosse Salzwürfel bestehen aus zahllosen kleinen Krystallen, Nadeln, Würfelchen n. s. w., die zwischen einander Lücken haben, die beitn Lösen von Wasser erfüllt werden. Man weiss so- gar, dass in einigen Salzen, obgleich sie fest sind, eine grosse Ostwald's Klassiker. 57. 8](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009429_0115.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


