Abhandlungen über thermometrie : von Fahrenheit, Réaumur, Celsius, (1724, 1730-1733, 1742) / Hrsg. von A.J. von Oettingen. Mit 17 figuren im text.
- Arthur von Oettingen
- Date:
- 1894
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Credit: Abhandlungen über thermometrie : von Fahrenheit, Réaumur, Celsius, (1724, 1730-1733, 1742) / Hrsg. von A.J. von Oettingen. Mit 17 figuren im text. Source: Wellcome Collection.
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![Wir gewinnen also die Vorstellung, dass die stärksten, concentrirtesten Säuren nicht in einer solchen Menge des Lösungsmittels schweben, die zur vollkommenen Auflösung nöthig ist; dass sie vielmehr aus Krystallen und Nadeln be- stehen, die selbst wieder aus Krystallen und Nadeln zusam- mengesetzt sind. Wasser in grösserer Menge zertheilt die letzteren und füllt die Lücken aus, in welche es vorher nicht eindringen konnte. Daher der Volumenschwund bei neuem Wasserzusatz oder nach vollkommenerer Auflösung. Ein sehr bekanntes Experiment, das zunächst sehr frap- pirt, besteht darin, dass, wenn man auf gewisse Körper, z. B. Blei, eine sehr concentrirte Säure giesst, z. B. sehr starke Salpetersäure, dieselbe fast gar nicht wirkt; wendet man aber eine mit gewöhnlichem Wasser verdünnte Säure an, so wirkt dieselbe stärker. Die Erklärung ist in Vorstehen- dem enthalten. Die erstere Säure kann nur mittelst grober Salzmolekel wirken, deren Ecken nicht der Porengrösse im Metall entsprechen, während die zweite mittelst feinerer Theile wirken kann, mittelst spitzerer Ecken.19) Ich fühle wohl die Schwierigkeit, die entsteht, wenn man die Volumenverminderung nur auf die Lücken der Salz- körner zurückführt. [185] Unser Vitriolöl besteht aus Salz und Wasser, und zwar Wasser in grosser Menge. Aber die schwersten Körper haben soviel Höhlungen zwischen ihren Theilen, ihr wahres Volumen ist dermassen klein, dass man sich nicht wundern kann über die Lücken eines Körpers, dessen Auflösung sehr weit gediehen ist. Ueberlegt man die Sache wohl, so kann man schwerlich die Ansicht aufrecht erhalten, dass die Salze in die Poren des Wassers eindringen, und dass so der Volumenschwund zu begründen sei. Denn nach dieser Anschauung müsste ich fragen, warum ein Wasserzusatz zum Gemenge aus 5 Th. Wasser und 1 Th. Vitriolöl keine weitere Volumenverminde- rung erzeugt. Man wird ohne Zweifel antworten, deshalb, weil das dargebotene Wasser genügende Lücken gehabt hat, um alles Salz zu bergen. Alle Poren des Wassers sind voll, alle Salztheile untergebracht. Wenn ich aber mehr Vitriolöl zu dem Gemische aus 5 Th. Wasser und 1 Th. Vitriolöl zu- gebe , so tritt dennoch ein Volumenschwund ein; woher soll das kommen, wenn ich nicht mit dem neuen Vitriolöl viel neue Lücken hinzugebracht habe, denn es sind Salzmassen hineingeführt, die gröber sind, als die im Wasser gelösten, 8*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21009429_0117.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


