Das Becken, topographisch-anatomisch mit besonderer Berücksichtigung der Chirurgie und Gynäkologie.
- Waldeyer-Hartz, Wilhelm von, 1836-1921.
- Date:
- 1899
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Credit: Das Becken, topographisch-anatomisch mit besonderer Berücksichtigung der Chirurgie und Gynäkologie. Source: Wellcome Collection.
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![S. 30 ff. ijoiiiaeliten anatoniisclien Aiigaliou an. II. v. Meyer H. c. S. S!)) wies darauf liin, dass das Kreuzhein nielit wie ein jye-wölinlicher Sehhissstein in dem Oewiilhe des knfiehenien I?eckenrinf;-es stecke, da es nicht, wie ein solclier, ohen und liinten hreiter werde, sondei-n viehnehr scliniäler; es könne sieli also nicht in die beiden Gewölbestreben der Hüftbeine einkeilen und so den Druck auf die unteren Extremitäten direkt übertragen, sondern, durch die Rumpflast ge- drückt, gleite es, seiner Gestalt wegen, zwischen den Darndicinen hindurch nach abwärts; hierbei werde es durch die starken Ligamenta sacroiliaca interossea aufgehalten und an diesen aufgehängt; zugleich mache es in den llio- sacralgelenken eine leichte Drehung um eine Queraxe, indem das vordere obere Ende sich senke, das Steissbcinende sich hebe. Dabei geschehe nun zweierlei: einmal werden durch diese Drehung die Ligamenta sacrospinosa und saero- tuberosa gespannt und hemmen dieselbe; dann aber, was das wichtigste ist, werden durch die Spannung der Ligamenta sacroiliaca, in denen ja das Kreuzbein mit der ganzen Euniptiast hängt, die beiden Darmlicine mit ihren hinteren Tuberositäten A'on beiden Seiten her an das Kreuzbein stark herangezogen; dieser Zug findet in der Symphyse seine Hemmung und es sieht darin IL v. Meyer eine wesentliche Picdeutung der letzteren. Zugleich werde aber durch diesen Zug die Rumpflast auf die Darmbeine übertragen und pflanze sich, soweit sie nicht durch die Symphysenspannung aufgehoben ist, auf das Oberscdienkelltein fort. Der Druck der Rumpflast werde also zunächst in eine Zugkraft über- geführt und dann in zwei K()ni))oncnten zerlegt, von denen die eine durch Bandspannung in der Symphyse aufgehoben wird, die andere sicli auf den Oberschenkel fort])flanzt. Diese Lehre hat etwas Bestechendes, kann aber unnuiglicli als in allen Punkten gültig angesehen werden. Schon vorhin wurde gezeigt (S. 32), dass Farabeuf, Lesshaft u. A. — ich füge noch L u t h e r H ol d en an'), und niuss mich auch hierzu bekennen — nachwiesen, dass man auf passend ge- wählten Schnitten sieht, wie in der That das Kreuzbein an niancdien Stellen in gewöhnlicher Weise dem Schlusssteine eines Gewölbes gleicht und somit die Rumpflast direkt auf das Darmbein ül)ertragen kann; s. Figg. 16 a und b und Fig. 17; die Syni|)hyse wirkt dann <lcr Schubs])annnng entgegen. Sonach bin ich der Ansicht, dass die Uebertragung der Rumpflast durch das Becken auf die unteren Extremitäten nicht in der verhältnissmässig einfachen Weise erfolge, wie es H. v. Meyer gelehrt hat; jedenfalls findet durch das Kreuzbein auch direkte Gewölbeübertragung statt. Das gilt insbesondere vom Stehen; beim Sitzen ruht der Runii)f auf den Tubera isehiadica und den l)reiten Unteriläclien der Oberschenkel; es wurde schon auf die stärkere Entwicklung der Knochcnsulistanz in der Richtung der ünterstützungslinie, auf den von mir sogenannten S i t z b a 1 k e n, aufmerksam gemacht. Die Gewölbeform bezeichnet Lesshaft, 1. c, S. 203, als eine ellip- 1) Lutlicr Holden, Human osteology, VHtli cdit. London 1887.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21204792_0093.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)