Uber Tetanie im Anschlusse an Kropf-operationen / von Anton Freiherr von Eiselsberg.
- Date:
- 1890
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Credit: Uber Tetanie im Anschlusse an Kropf-operationen / von Anton Freiherr von Eiselsberg. Source: Wellcome Collection.
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![Aber mich die von Billroth geäusscrtc Vermuthung, die Tetanie sei duvcli mechanische Läsion zahlreicher Nervenzweige und durch einen von den verletzten Nerven ausgehenden neuritischen Process bedingt, eine Meinung, der sich auch Gussenbauer (Pietrzikowski [1. c.]) anschliesst, ist gegenüber den oben erwähnten Befunden nicht mehr haltbar. Dagegen spricht auch der Umstand, dass die Tetanie manchmal sofort nach der Operation einsetzt. Bei Thieren und Menschen scheint also der Schilddrüse eine wichtige Rolle für den Organismus zuzukommen, nur ist die Art ihrer Function roch nicht vollkommen erklärt. Während einige Thierclassen die Exstir- pation anstandslos vertragen, reagiren andere prompt mit Tetanie auf die- selbe. Am verderblichsten äussert sieh die Wirkung der Exstirpation bei Fleischfressern (Hunde, Katzen, Fuchs *); am besten wird sie von Pflanzen- fressern vertragen (Kaninchen, Schaf). Doch scheint die Drüse auch bei Pflanzenfressern kein ganz überflüssiges Organ zu sein, und sich die Folgen der Exstirpation unter bestimmten Umständen zu äussern. Nach den Erfahrungen kommt es zwar niemals zur Tetanie, wohl aber (wenn auch sehr selten) zu chronischen Folgeerkrankungen der Exstirpation: zu Myxödem, wenn nämlich das Thier sich unter äusseren ungünstigen Um- ständen befindet. Bei genauen und länger fortgesetzten Beobachtungen dieser Thiere (Schafe, Kaninchen, Ratten) würde sich vielleicht öfter ein derartiges Symptom des Myxödems vorfinden lassen. Der Affe bildet das Bindeglied zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern in Bezug auf die Folge- erscheinungen der Totalexstirpation, indem er sowohl der acuten, als der chronischen Krankheit (Tetanie und Myxödem) unterworfen ist. In voll- kommen gleicher Weise verhält sich der Mensch.1) Fragen wir uns noch zum Schlüsse, warum beim Menschen im Gegensätze zum Thiere so unregelmässig nach der Totalexstirpation bald Tetanie, bald Kachexie und endlich und zum Glücke recht häufig keinerlei Folgeerkrankungen auftreten, so mögen nachfolgende Betrachtungen diese Disharmonie der Befunde bei Menschen und Thieren und vor allem bei den verschiedenen Menschen einigermassen erklären: dem der Kropf kleiner wurde, zweimal jedoch musste nach respective a/i Jahren die partielle Exstirpation zur Beseitigung' der wiedergekehrten Struma ausgeführt werden. In einem achten Falle von Unterbindung der beiden Art. thyreoideae inf. wegen Sarkom er- folgte am Tage nach der Operation der Tod. ') Sanguirico und Orecchia. Roll. d. sez. d. cult. d. sc. med. n. r. Acc. d. fisiocrit. di Siena. 1887, 289. *) ^*ei se* *n Kürze erwähnt, dass ein intelligenter junger Patient, dom vor 1 /., Jahren die Totalexstirpation gemacht wurde, in Beantwortung meiner Anfrage über sein Befinden angab, dass er sich geistig und körperlich wohl fühle, die Struma nicht wiedeigekehrt sei, jedoch seit der Operation einen auffallenden Widerwillen gegen Fleisch zeige und in Folge dessen sich fast ausschliesslioh von vegetabilischer Kost nähre, während vor der Operation gerade das Gegentheil der Fall war.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21990335_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)