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Credit: Die Bindehautinfection der Neugeborenen / bearbeitet von D. Hausmann. Source: Wellcome Collection.
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![sicheren Beweisführung nothwendige, aber fehlende grössere Statistik nicht •ersetzen, indess glaubt, wie ich nachträglich gefunden habe, auch Pirin- ge r'), dass unter je fünf von ihm in der Augenklinik gesehenen Bindehaut- entzündungen drei bis vier die Kinder von Erstgeschwängerten betrafen, ohne aber auf die Ursachen dieses Missverhältnisses näher einzugehen. Wenn nun aber die Kinder dieser zuletzt genannten Kategorie in der That häufiger inficirt werden, so würde dadurch zum Theil wenigstens das weit öftere Vorkommen dieser Krankheit in Gebäraustalten, als bei Privat- kranken ungezwungen erklärt werden, da die genannten Institute nach den zahlreichen hierüber veröffentlichten Berichten oft bis zur Hälfte, ja noch häufiger von Erstgebärenden aufgesucht werden. Andererseits sind diese aber erfahrungsgemäss durchschnittlich etwas seltener mit dem als- bald genauer zu besprechenden, die Infection während der Geburt begün- stigenden weissen Pluss, wie die Mehrgeschwängerten behaftet: ein Ver- gleich dieser beiden Kategorieen kann daher nur unter den vorhin betonten gleichen Infectionsbedingungen erfolgen. Einen nicht weniger nachtheiligen Einfluss, wie die bei den Erst- gebärenden verzögerte Dehnung der Genitalien, muss die Wehenschwäche oder Beckenenge ausüben, in deren Eolge auch bei Mehrgebärenden wegen der zunehmenden Grösse der Früchte die zweite Geburtsperiode selbst viele Stunden dauern, und somit eine gleich lange Berührung des Ge- sichtes mit den Wandungen der mütterlichen Genitalien statthaben muss, wie schon Cunier2) mit Recht hervorgehoben hat. Ebenso kann die An- gabe von Carron de Villard3), dass unter 55 augenkranken Kindern 33 schwer geboren worden waren, vollkommen richtig sein, ohne dass man dem von ihm hieraus gezogenen Schluss, die Bindehautentzündung sei die Folge einer Congestion, beipflichten muss. Auch der nach mehreren älteren Beobachtern die Entstehung der Bindehautentzündung begünstigen- den Einkeilung des Kopfes liegt insofern ein richtiger Gedanke zu Grunde, als sie gewöhnlich ein räumliches Missverhältniss zwischen dem mütterlichen Becken und der durch dasselbe gepressten Frucht oder mitunter eine Wehenschwäche voraussetzt, und das Gesicht daher in derartigen Fällen von den Scheidenwandungen eine längere Zeit hindurch straff umspannt und eingeschnürt bleibt. Ein anderer Nachtheil aller mechanischen Geburtsstörungen liegt aber endlich in der durch sie nicht selten angezeigten Kunsthilfe, z. B. der Anlegung der Zange, wobei durch die Einführung der Finger und Zangenblätter bei dem noch querstehenden Kopfe z. B. eine Verschiebung der Weichtheile des Gesichtes, und somit auch eine directe Eröffnung der Augenlider erfolgen kann. J) 1. c. §. 21. S. 47. 2) ]. c. 3) 1. Haussmann, Die Bindehautinfection. 4](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2164777x_0055.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


