Ueber relativen und absoluten Mangel des Farbensinnes / von E. Raehlmann.
- Eduard Raehlmann
- Date:
- 1900
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Credit: Ueber relativen und absoluten Mangel des Farbensinnes / von E. Raehlmann. Source: Wellcome Collection.
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![tliinkelste. Damit ist ein gerade entgegengesetztes Verhalten des farbenblinden Auges gegenüber dem normalen statuirt, welches schon allein für sich betrachtet, die Empfindungsskala des farbigen Lichtes im Vergleich zum normalen fundamental ändern muss. Dieses Verhalten der Emptiiulung gegen Gelb ist auch mit keiner der zur Zeit herrschenden Theorien, welche den Empfindungs- vorgang, d. h. die subjective Mischung der objectiven Wirkungen der Strahlen verschiedener Wellenlänge, erklären sollen, ohne Erweiterungen in Einklang zu bringen. Wenn wir von diesen Theorien vorläufig abseben, könnte zunächst die Frage aufgeworfen Averden, ob die farbenblinden Augen der Frau Prof. R. vom Spectrum nur eine einheitliehe Empfindung erhalten, welche nur quan- titative Abstufungen, entsprechend den vermerkten Linien als Maxima und Minima der einfachen Lichtompfiudung zulässt. An sich ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die verschiedenen Wollenlängen, welche bei a ]> und c bestimmte, wenn auch für die beiden letzteren Stellen nur geringe Maxima der Empfindung erzeugen, qualitative Eindrücke hervorrufen könnten. Diese Eindrücke könnten z. B. als verschiedene Saturation ein und derselben, von der farblosen Lichtenipfindung verschiedenen, qualitativen Empfindung an verschiedenen Stellen des Spectrums variiren, wofür die Befunde unter § VII z. B. sprechen würden. Wie gesagt, muss der Ausfall der Empfindung <3-elb das Farbensystem (wenn ein solches existirt) so umstossen gegenüber dem normalen, dass ein Vergleich der Empfindungen mit den normalen ganz unmöglich ist. Die Angabe der Totalfarbenblinden, dass sie im Spectrum einen Lichtstreifen wahrnehmen, ist doch nur ein rein subjectiver Schluss, der jedes Maassstabes und Vergleiches entbehrt. Die Frage, ob qualitative Verschiedenheiten der Lichteindrücke existiren, welche als systemverschiedeu von den normalen, mit letzteren nicht vergleichbar sind, und daher nur als Abstufungen der Helligkeit gekennzeichnet werden, stellt freilich ein rein psychologisches Problem vor, Avelches aber immerhin das Interesse berufener Fachkreise erregen dürfte. Auch für die relativ Farbenblinden (Rothgrün-Blinden) gilt annähernd dasselbe. Unter verschiedenen Fällen, Avelche ich beobachtete, waren die meisten der Meinung, dass sie manche Farben sehr gut unterschieden. Im Spectrum sahen sie trotzdem nur deren zwei. Indessen sprechen eine Reihe von Beobachtungen, dafür, dass an Stelle der Farben des Spectrunis nur quantitativ ver- schiedene Lichtwerthe in den Augen der absolut Farbenblinden den verschiedenen Wellenlängen entsprechen. Zunächst lässt sich wie die bisher ausgeführten Untersuchungen an total Farben- blinden ergeben haben, und wie auch meine Fälle bestätigen, für jede Farbe ein aus schwarz und Aveiss gemischtes Grau finden, welches dem Farbenblinden den gleichen Eindruck macht. Dann liefert auch die Farbenblindheit, welche bei be- stimmten Krankheiten auf ein Auge beschränkt sein kann, ein- seitige Eindrücke, welche ihrer Qualität nach mit den Farbeu- empfindungen des anderen gesunden Auges verglichen werden können. Die meisten Beobachtungen sprechen dafür, dass in dem Licht- streifen, den der absolut Farbenblinde an Stelle des Spectrums sieht, nur quantitative verschiedene Licht- und lielligkeitswerthe ohne qualitative Verschiedenheit vorhanden sind. Es zeigt sich aber doch erstens, dass diese Lichtwerthe vom Farbenblinden 2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21635894_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


