Ueber relativen und absoluten Mangel des Farbensinnes / von E. Raehlmann.
- Eduard Raehlmann
- Date:
- 1900
Licence: In copyright
Credit: Ueber relativen und absoluten Mangel des Farbensinnes / von E. Raehlmann. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by UCL Library Services. The original may be consulted at UCL (University College London)
23/60 page 21
![Die Helligkeit auch der farbigen Gegenstände ist, abge- sehen vom Gelb, bei ihv ebenso stark, wenn nicht stärker, aus- gesprochen, als beim Normalauge; für einige Farben (vergleiche No IV) ist sie dem Norraalauge sogar überlegen. Es ist also ein Ausfall in der Em])findungsstärke, wie er dem. Fehlen farben- percipirender Organe oder Organtheile entsprechen müsste, an der oberen Grenze der Empfindung nicht zu beobachten. Wir müssen für unseren Fall absoluter Farbenblindheit wenigstens den Schluss ziehen, dass an der Liclitempfindung den Strahlungen aller Wellenlängen gegenüber nichts fehlt mit alleiniger Aus- nahme der Empfindung des gelben Lichtes. Der Defekt, der hier zu Tage tritt, müsste nothwendig eine Herabminderung der Empfindungungsstärke für weisses (gemischtes) Licht herbei- führen, da die auf das Normalauge so wirksamen Strahlungen des gelben Lichtes hier nur ganz schwache Wirkung ausüben. Da nun aber trotz dieses Empfindungsdefectes für Gelb, die Helligkeitsempfindung des farbenblinden Auges für andere Farben und für weiss der normalen nicht nachsteht, müssen wir noth- gedrungen annehmen, dass dieses Auge für andere Farben desto empfindlicher sein muss, um diesen Defect der Empfindung zu ersetzen. Die Resultate unserer Experimente sind nun mit dieser rein theoretischen Forderung ganz im Ein- klänge; denn wir finden erstens, dass Frau Prof. R. mehr vom Roth (vergl. I), Ultraroth, besonders aber mehr vom Violett sieht, als das Normalauge und dann ergiebt sich auch aus HI und IV, dass die Empfindung grünen und rothen, besonders aber des blauen Lichtes grösser ist, als beim Normalauge. Das total farbenblinde Auge verhält sich also nach dieser Vorstellung in Bezug auf den Lichtwerth der ihm zu Gebote stehenden farbigen Eindrücke wie die photographische Bromsilberplatte (vergl. IX), welche, obwohl sie einzelne Farben dunkler wiedergiebt, als das Auge sie sieht, dafür andere stärker verzeichnet und so im Ge- sammtwei-the der Helligkeit bei der Darstellung der Gegenstände, wenn sie nicht gerade einfarbig gelb oder roth sind, der Natur gegenüber nicht zurückbleibt. Wir kommen daher zum Schlüsse, dass bei dem total farbenblinden Auge für alle optischen Em- pfindungen, ausser dem Gelb, der Helligkeitswerth jeder farbigen Strahlung ersetzt wird durch eine Steige- rung der zugehörigen Lichtempfindung. Wollen wir uns die Eigenthümlichkeiten der Empfindung des total farbenblinden Auges aus der Jung'schen Theorie erklären, so müssen wir uns der neuesten Helmholtz'schen Modification anschliessen und eine Aenderung in der Erregbarkeit der Energien annehmen, durch welche für alle drei Componenten die gleiche Erregbar- keit oder Stimmung für alle Lichtarten gesetzt würde. Dabei würde uns aber ein Verständniss für den Ausfall der Empfindung Gelb (oder richtiger die Unempfindlichkeit des total farbenblinden Auges für gelbes Licht) vorläufig vollständig fehlen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21635894_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


