Das Nabelbläschen, ein constantes Gebilde in der Nachgeburt des ausgetragenen Kindes / von Bernhard Sigmund Schultze.
- Schultze Bernhard Sigmund, 1827-1919.
- Date:
- 1861
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Credit: Das Nabelbläschen, ein constantes Gebilde in der Nachgeburt des ausgetragenen Kindes / von Bernhard Sigmund Schultze. Source: Wellcome Collection.
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![Ich untersuchte in grosser Anzahl die meiner Beobachtung in unversehrtem Zustande sich darbietenden Nachgeburten ausgetragener Kinder. In den ersten 1 50 Nachgeburten, wie sie der Reihe nach sich mir darboten, fand ich in 146 das Nabelbläschen, in den meisten davon war der Ductus omphalo-entericus mit blossem Auge, in allen durch das Mikroskop nach- weisbar. Von den übrigen 4 Fällen erwies sich in zweien das Ei bei der Untersuchung dennoch als verletzt, indem der Ductus omphalo-entericus mit deutlich abgerissenem Ende nachgewiesen werden konnte; in den somit übrigbleibenden 2 Fällen, in denen ich weder den Ductus noch die Nabelblase fand, liegt mir die Vermuthung weit näher, dass die letztere entweder auch hier durch die Manipulation des Eies verloren gegangen sei, oder dass sie sich, obgleich vorhanden, der oft recht schwierigen Auffindung entzog, als dass sie in den Eihäuten wirklich nicht vorhan- den gewesen sei. Uebrigens ist es ja möglich, dassganz selten der Ductus omphalo-entericus und so auch die Nabelblase die Insertionsstelle des Nabelstranges in die Placenta nicht überragt und also dem Auge im Gewebe des Nabelstranges verborgen bleibt. Nach dieser Zeit habe ich die Resultate meiner Nachsuchungen nicht mehr notirt, denn da ich wohl noch die doppelte Zahl menschlicher Nachgeburten auf das Nabelbläschen seitdem untersuchte, habe ich nur ein einziges Mal in scheinbar unverletzten Eihüllen dasselbe vermisst. Das Nabelbläschen liegt, wie aus der Geschichte seiner Entwicklung sich mit Nolhwen- digkeit ergiebt, auch im ausgetragenen Ei zwischen Amnion und Chorion. F]s ist daselbst ein- gebettet in das den Zwischenraum zwischen diesen Membranen ausfüllende Schleimgewebe, embryonale Bindegewebe, eine aus ziemlich reichlichen Bindegewebszellen, die im ausgetra- genen Ei zum Theil in fettiger Metamorphose begriffen sind, und einer structurlosen Inter- cellularsubstanz bestehende, von mehr oder weniger zerstreuten, selten in Bündel ange- ordneten Fasern durchzogene Substanz, welche bald eine dickflüssige zähe Sülze dar- stellt, bald beide Membranen ziemlich fest aneinanderheftend zu einer dritten mittleren Mem- bran, die auf kürzere Strecken abgezogen werden kann, sich gestaltet. Diese zwischen Am- nion und Chorion gelegene Substanz ist übrigens, das muss hier erwähnt werden, nicht etwa Hoboken’s membrana tertia, media, tenuissima. Wie schon Velpeau und Biscuoff mit Recht bemerken, belegt Hoboken mit diesem Namen nichts Anderes als das Chorion selbst, indem er die Decidua allein, die bis dahin mit dem Chorion zusammengeworfen wurde, als Chorion beschreibt. Aus seinersehr genauen Beschreibung der untersuchten Nachgeburten, namentlich pag. 125,126sq. und 157 und aus den für jene Zeit guten Abbildungen, namentlich Fig. 18, 19, 20 und 24, geht das unzweifelhaft hervor. Die hier in Rede stehende, Amnion und Chorion verbindende Substanz dagegen beschreibt meines Wissens zuerst Hunter a.a.O. S.66 und zwar durchaus richtig. Später wurde dieselbe der Schauplatz vieler und eigenthümlicher Hypothesen, indem theils ihre Fasern für embryonale Gefässe , theils die durch künstliche Spaltung darstellbaren Lamellen als eigene Eigebilde und der zwischen denselben künstlich hergeslellte Raum als Allantoishöhle gedeutet wurden. Sie ist weiter nichts als das seit der Bildung des Amnion in der Amnionfalte selbst, also zwischen Amnion, seröser Hülle und Dotter sich entwickelnde embryonale Bindegewebe.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21705574_0013.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)