Die Anomalien der Zahnstellung und die Defecte des Gaumens / deutsch von Ludwig H. Hollaender.
- Norman William Kingsley
- Date:
- 1881
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Credit: Die Anomalien der Zahnstellung und die Defecte des Gaumens / deutsch von Ludwig H. Hollaender. Source: Wellcome Collection.
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![aber genauere Beobachtung- hat gezeigt, dafs beim Erwachsenen das Hinunterschlucken der Speisen durchaus nicht behindert ist. Beim Kinde ist die Kopflage während des Nährens eine derartige, dafs das Schlucken sehr leicht von statten geht und lange ehe dasselbe verständiger gewor- den, hat es gelernt die Schwierigkeit beim Schlucken zu überwinden. Accidentelle Defecte des Gaumens, welche im späteren Lebensalter erworben sind, verursachen grofse Unannehmlichkeiten. In beiden Fällen jedoch (bei erworbenen und angeborenen) ist die deutliche Aus- sprache bei irgend welch'gröfseren Defecten aufserordentlich erschwert. Es ist daher vorzugsweise zur Wiederherstellung der Sprache eine Behandlung erforderlich. Es ist unmöglich da, wo zufolge eines Gaumendefectes eine Communication zwischen Mund und Nase be- steht, irgendwie ordentlich zu articuliren. Bei einem Gaumendefecte lautet der Consonant D wie N^ B wie M^ K und G sind nur unter eigenthümhchen Bedingungen hervorzubringen und S, T und CJi fast gar nicht. Aufserdem verändert sich die Resonanz der Mund- und Nasenhöhle vollständig sowohl dann, wenn sie partiell oder vollständig vereinigt, oder wenn sie in ihrer Gestalt und in ihrem Umfange ver- ändert sind. Es wird daher die Sprache bei diesen Leuten eine ganz eigenthümliche, die Aussprache wird undeutlich und manche Laute fehlen ihnen vollständig, sodafs sie schwer verständlich werden. Manche sehr empfindliche Personen sind dadurch für immer der menschlichen Gesellschaft entfremdet und elend. Grund genug für Kunst und Wissenschaft hier ein Heilmittel zu suchen. Die Behandlung dieser Defecte war bisher sowohl eine chirurgische als auch eine mechanische. Die angeborenen besonders sind bald auf die eine, bald auf die andere Weise operirt worden, während die erworbenen fast stets nur durch mechanische Mittel gebessert wurden. Wir übergehen die einzelnen chirurgischen Operationen, welche von Mounier, Sir William Ferguson und vor allem von Langen- beck zur Heilung des gespaltenen Gaumens vorgeschlagen und mit mehr oder weniger gröfserem Erfolge ausgeführt worden sind. Die Be- schreibung findet sich in allen Handbüchern der Chirurgie. Der zahnärztlichen Kunst liegt es ob, da einzutreten, wo der Leüstungsmöglichkeit des Chirurgen Grenzen gesteckt sind. Es ist verhältnifsmäfsig leicht einer Person, welche durch Zerstörung des Gaumens die Sprache verloren hat, dieselbe wieder herzustellen, aber bei angeborenem Gaumendefecte, zumal da wo Patient bereits mannbar geworden ist, ohne eine deutliche Aussprache zu erlangen, wird das Problem , durch künstHche Mittel eine genaue Aussprache zu schaffen, schon bedeutend schwieriger. ]?ei erworbenen Defecten sind](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21216691_0158.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)