Prof. Dr. M. Perls' Lehrbuch der allgemeinen Pathologie : für Ärtze und Studirende.
- Perls, Max, 1843-1881.
- Date:
- 1894
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Credit: Prof. Dr. M. Perls' Lehrbuch der allgemeinen Pathologie : für Ärtze und Studirende. Source: Wellcome Collection.
719/768 page 697
![Schon die von Haller (Opera anat. argum. minor, tom. tert., de monstris,. Lausanne 1768) auf Tafel XV gegebene Zeichnung eines geöffneten Thoracopagus lässt erkennen, dass hier beide Individuen normalen Situs hatten, w^enn auch die Milz des rechten Individuums fehlte; denn der Pylorus zieht sich beiderseits gegen die rechts gelegene Niere hin, und Haller sagt ausdrücklich, dass Aorta, Vena Cava und Nieren nichts Auffälliges boten, nur der rechts gelegene Magen mehr perpendiculär und nach hinten (i. e. nach der linken Seite des rechten Individuums) gelagert war; auch scheint nach der Zeichnung die Aorta in jedem Individuum links von der Cava gelegen zu haben. Ebenso findet sich in der grossen Zahl Thoracopagus-Fälle, die er zusammenstellt, nie die Angabe eines Situs inversus. Tacke (De sternopago, Dissert., Halle 1864) giebt in seinem Falle direct an, dass kein Situs inversus vorhanden war; er macht auch sogleich darauf aufmerksam, dass dieser Befund gegen die herrschende [Baer^ohe] Theorie des Situs inversus spreche, was aber Claudius (Referat der TffcA^e'schen Dissert. im Jahresb. d. ges. Med. 1864) mit der eigenthümlichen Bemerkung zurückweist, dass die Sternopagen wahrscheinlich nicht auf einem Keimlager, sondern erst durch nachträgliche Verwachsung entständen. Dönitz sagt bei Beschreibung eines Thoracopagus (Arch. f. Anat. u. Phys. 1865, Heft 1) lediglich: „Für einen Situs inversus gar keinen Anhaltspunkt. In Kortibn's Thoracopagus (Virch. Arch. 62, 1875) war kein Situs inversus. Böttcher (Dorp. med. Ztschr. 1871) fand in einem dem Siamesenpaar ganz ähnlichen Xyphopagen keinen Situs inversus. In den meisten anderen Fällen ist von Situs inversus nichts angegeben, also darauf nicht geachtet worden, resp. ein solcher nicht aufgefallen. Förster verweist für seine Angabe auf eine Taf. VII Fig. 1 u. 4 gegebene Zeichnung eines auspräparirten Thoracopagus der Sammlung des physich Inst, zu Göttingen; aus der Zeichnung selbst ist die Transposition der Eingeweide nicht recht ersichtlich, da man nicht wissen kann, wie weit die zwei Mägen und die Milz diagonal verschoben sind; allerdings wird in A. die Leber und das Cöcum ausdrücklich als linksliegend angegeben, da aber beide Kinder eine gemeinschaftliche Leber haben und die Därme in diesen Fällen über- haupt abnorm gelagert sind, so hat dies noch keine allgemeine Bedeutung. Die drei menschlichen Thoracopagen der Giessener Sammlung, welche die Lage der Eingeweide noch erkennen lassen (Präp. 10, 12 u. 43), zeigen keinen Situs inversus, wie betreffs des einen auch aus der Fig. 244 gegebenen Zeichnung ersichtlich ist. Wir können also jedenfalls den Situs inversus nicht als ein regel- mässiges Vorkommniss der Thoracopagen und der Doppelmissbildungen überhaupt bezeichnen; wo er total oder partiell vorkommt, ist er entweder durch den gegenseitigen Druck der beiden Individuen bedingt, oder eine gelegentliche Abnormität, nicht aber eine nothwendige Folge der abnormen Lage des einen Individuums zur Keimblase. Theorie der Doppelmissbildungen. Die Angaben über das Verhalten der Placenta und Eihäute bei normaler Zwillings schwang er s chaft und die Deutungen derselben sind entnommen der II. Aufl. von Kölliker's Entwickelungsgeschichte (p. 348 ff.) und Ahlfeld's Mittheilungen im Archiv für Gynäkologie II. 1874. Letzterer hat (Arch. f. Gynäk. XI. 1877) in sieben Fällen von Zwillingsschwangerscbaft, in denen ein Chorion zwei Amnien enthielt und die nach seiner Deutung aus einem Ei hervor- gehen, das Verhalten des Nabelbläschens untersucht und fand drei Varietäten desselben: 1. zwei Nabelbläschen, die vollständig getrennt von einander an be- liebigen Stellen zwischen Chorion und Amnion lagen, 2. zwei dicht bei einander in der Nähe der Amnion-Scheidewand gelegene Nabelbläschen, 3. nur ein Nabel- bläschen, das zwischen den Insertionsstellen der beiden Nabelstränge oder in einem der letzteren lag. Ahlfeld nimmt an, dass der erste und zweite Befund für Entwickelung der Zwillinge aus zwei verschiedenen Keimblasen spricht, bei dem zweiten aber auch nachträgliche Theilung einer ursprünglichen Keimblase- stattgehabt haben kann, dass der dritte Befund dagegen für Entwickelung beider Individuen in einer Keimblase spricht. — Die bestimmte Angabe, dass ein Doppel- monstrum zwei Placenten hatte, wird in dem oben p. 694 citirten Ischiopagusfall gemacht; im Gegensatze zu der gewöhnlichen Annahme, dass die beiden Individuen stets gleiches Geschlecht haben, hat Talko (cf. Jahresb. d. ges. Med. 1875, I. p. 837) bei einem thoracopagen Katzenpaar sowie bei einem thoracopagen Schaf- paar männliche Genitalien in dem einen Individuum, weibliche in dem anderen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20417858_0719.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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