Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior.
- Melchior Max, 1862-
- Date:
- 1897
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Credit: Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior. Source: Wellcome Collection.
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![Wirkungen beobachtete. Es ergab sich daraus, dass der bei ver- schiedenen Cystitisfällen gefundene Colibacillus von sehr ungleichei- Virulenz war. Nur 3 Mal wurde das Tier im Verlauf kürzerer Zeit getötet (No. 1, 3, 28), am häufigsten stellte sich Fieber ein von den oben erwähnten krankhaften Symptomen begleitet (so bei No. 7 [2 ccm. tötete ein Kaninchen], 15, 20, 24, 25, 30, 34 [Kaninchen durch peritoneale Einimpfung getötet] und 35), und nur 1 Mal (No. 21) war der Bacillus für Kaninchen gar nicht virulent, aber doch im Stande Mäuse zu töten. Wenn ein Tier die Infektion 'mit einem minder virulenten Bacillus überlebt hatte, schien es selbst gegen einen vollvirulenten Bacillus immun — jedenfalls Hessen sich einige Versuche nach dieser Richtung deuten, doch sind sie zu wenig zahl- reich, um ihnen grösseren Wert beimessen zu können. Im Zusammenhange hiermit werden wir einige wenige Versuche (von 1892) anführen, welche zur Erklärung der Natur des Colibacillus beitragen. Bei Einspritzung von 1 ccm. B. K. in die Blutbahn von Kaninchen zeigte sich das Bacterium coli aus dem Darmkanal des gesunden Menschen vollständig unschädlich (4 Versuche), während es in 4 anderen Fällen von verschiedenen Darmleiden alle Tiere im Verlaufe von 20—36 Stunden tötete. Diese Virulenzversuche gewinnen dadurch grösseres Interesf?e, dass zwei französische Forscher, Lesage und Macaigne') gleichzeitig mit mir zu ganz ähnlichen Eesultaten gekommen sind; sie verfügen indessen über ein viel grösseres Material — bei 16 gesunden Menschen war das Bact. coli nur 3 Mal virulent, bei 49 Fällen von Diarrhoe dagegen 36 Mal. Ebenso haben Gilbert und Girode^) nachgewiesen, dass die Virulenz des Colibacillus unter pathologischen und normalen Verhältnissen verschieden ist. Gabritschewsky') fand das Bact. coli besonders virulent von Kranken, die hohes Fieber oder einen heftigen Darmkatarrh hatten. Verf. glaubt, dass der Bacillus unter gewöhnlichen Verhältnissen für den Menschen nicht pathogen ist, dass er aber unter Umständen in die Organe eindringen und krankhafte Erscheinungen hervorrufen kann. Schliesslich wollen wir erwähnen, dass Albarran und Guyon*) einen ausgesprochen vinilenten Colibacillus als Ursache einer urinösen Gangrän fanden. Die eigentümliche Polymorphie dieses Bakteriums, nicht nur rein mikroskopisch, sondern auch in seinen Kulturverhältnisseu haben wir bereits hervorgehoben; es bleibt noch übrig, auch seine in hohem Immer fanden wir bei unseren Experimenten 1888, bei Sektion der so ein- geimpften Tiere, das Bakterium im Harn. (Note etc. p. 12). N. Halle. >) Lesage et Macaigne: ttmle de la Virulence du bacterium coli commune. Arch. de med. exper. 1892. P. 356. 2) Gilbert et Giro de: Bulletin de la Soc. mfed. des hopitaux. 1891. Gabritschewsky: Bacterium coli commune. Ref. in Baumg. Jahresber. 1894. P. 321. *) Guyon et Albarran: Congres frangais de Chirurgie 1891. P. öU.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21704934_0108.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


