Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior.
- Melchior Max, 1862-
- Date:
- 1897
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Credit: Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior. Source: Wellcome Collection.
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![diesen anaeroben Züchtungsversuchen benutzte ich frisch gekochten saueren Harn, mit einer hohen Oelschicht bedeckt; — die Sterilität der Gläser war immer durch einen längeren Aufenthalt im Brut- ofen gesichert; auch bei diesen Versuchen wurden vor und nach der Aussat quantitative Harnstoffbestimmungen vorgenommen. Schliesslich wurden die pathogenen Eigenschaften der gefun- denen Bakterien durch üeberimpfungen der Reinkulturen in Tiere ge- prüft. Solche Versuche sind in grosser Menge und auf sehr ver- schiedene Weise unternommen worden; zu den Versuchen wurden vorzugsweise Kaninchen gewählt. ^) Während meiner Beobachtungen habe ich sehr oft, am meisten täglich, das Versuchstier katheterisiert, und das Verfahren bei der Entnahme und ferneren Untersuchung des Harns war immer sehr sorgfältig, dem bei Menschen angewandten entsprechend. Es zeigte sich dann, dass der Harn gesunder Tiere völlig keimfrei war, eine Untersuchung, welche für jedes einzelne Tier gemacht wurde, ehe es zum Versuch diente. ''^) Zur Impfung subcutan und in die Gewebe wurden Seidenfäden verwendet mit frischer Bouillonkultur des betreffenden Mikroben imbibiert, ausserdem auch direkte subcutane Einspritzungen, welche jedoch einen weniger sichern Erfolg gaben. Zu Injektionen in die Blutbahn und anderswohin bediente ich mich teils einer frischen, gewöhnhch 3 Tage alten Agar-Agar-Kultur in sterilem 0,6*^/0 Salz- wasser aufgeschwemmt, bis die Mischung leicht trübe geworden, teils häufiger, und besonders, wo es sich um vergleichende Unter- suchungen] handelte (z, B. die verschiedene Virulenz einer und der- selben Spezies) 1 Gern. 3 Tage alter wohl umgeschüttelter Bouillon- kultur. Dies wird mehr und mehr die bakteriologische Dosis der Gegenwart. Uebrigens versteht es sich von selber, dass ich mit allen be- kannten aseptischen Cautelen bei den Versuchen so wie auch bei den Sektionen arbeitete, und ich werde mich daher nicht mit einer detaillierten Darstellung aufhalten. ') Der Kaninchenharn ist normal schwach alkalisch wni gewöhnlich sehr trübe, klärt sich aber völlig durch einige Tröpfchen Essigsäure. Die alkalische Reaktion des Harns scheint mir kein Grund diese Tiere als Versuchsobjekte zu verwerfen; sie beruht ja ausschliesslich auf den reichen Inhalt von Pflanzeu- alkali — eine Eigenschaft, die dem Harn aller Herbivoren gemeinsam ist — und im Hungerzustand ist er sauer und klar. *) Meine Ansicht darüber widerspricht derjenigen Berlioz's (These de Paris 1887); B. fand bisweilen den Harn, selbst bei gesunden Kaninchen keim- haltig, es scheint mir aber nicht ausgeschlossen, dass die gefundenen Keime aus der Urethra stammen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21704934_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


