Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior.
- Melchior Max, 1862-
- Date:
- 1897
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Credit: Cystitis und Urininfektion : Klinische experimentelle und bakteriologische Studien / von Max Melchior. Source: Wellcome Collection.
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![Krsinkengesclüclite Nr. 33. Ci/stitis ohne Katheterismus entstanden; Harn enthält Bact. coli in ungewöhnlicher Menge. Balderiurie. H. A. 38 Jahre. Aufnahrae 22. Februar 1893. Nicht hereditär be- lastet;] Patientin ist während der Kindheit und Jugend stets gesund gewesen. 5 normale Geburten; letzte vor 7 Jahren. Nach der zweiten vor 13 Jahren häufig Prolapsus vaginae. Vor 2 Jahren plötzlich sehr häufiger Harndrang mit beissenden Schmerzen in der Harnröhre. Der rfarn wurde stinkend und trübe. Diese Beschwerden verlieren sich spontan, doch blieb der Harn seitdem trübe und übelriechend. Vor 6 Wochen bekam Patientin eine croupöse Pneumonie, wesshalb sie bettlägerig wurde, und am folgenden Tage verspürte sie häufigen Harndrang, ipusste sehr oft Wasser lassen, und der Harn wurde bluthaltig, sehr trübe und stark riechend. Nie Katheterismus; nie Anfälle von Inkontinenz oder Ketention. Der Arzt verordnete Borsäurepulver innerlich und Borwasser- spülungen der Blase. Status präsens: Patientin ist mager und etwas entkräftet. Temperatur normal. Bei der Stethoskopie werden Reste einer Lungenentzündung des rechten unteren Lappens nachgewiesen. Nieren nicht fühlbar; keine Empfindlichkeit der Lendengegend. Bei Expl. vaginalis zeigt sich Vagina sehr rot, prolabierend, mit schlafien Wänden; Collum uteri ragt vde ein dicker plumper Zapfen herab; Uterus anteflectiert, leicht beweglich. Keine Oedeme. 23. Februar. Harn steril entnommen ist schwach blassgelb, wässerig, leicht diflus getrübt, opalescierend und hält sich fortwährend so, ohne eigent- liches Sediment abzusetzen. Schwacher, foetider Geruch; Reaktion neutral. Sp. Gew. 1012. Kein Eiweiss. Beim Centrifugieren bildet sich ein äusserst feiner, weisser Bodensatz ; bei mikroskopischer Untersuchung desselben finden sich Eiterzellen und grosse kernhaltige Epithelzellen, doch nur in geringer Menge. Keine Cylinder. Die Hauptmasse des Bodensatzes besteht aus einer gewaltigen Menge plumper, dicker Stäbchen, bald ziemlich lang, bald nur als Kokkobacillen, bisweilen je zwei und zwei zusammen. Sie liegen frei im Harn und die Unklarheit rührt am meisten von ihnen her. Das Plattenverfahren ergiebt eine Reinkultur von Bact. coli in colossalen Mengen. 25. Febr. Ordo.- Tägliche Blasenspülungen mit Sol. argent. nitr. 1,0: 500,0. 22. März. Völliges Wohlbefinden. Versuchsweise Unterbrechen der Blasen- spülungen. 23. März. Gestern ziemlich starker Harndrang. Harn hat ein recht be- trächtliches, loses, eitriges Sediment abgesetzt. (Aussaat eines Tröpfchens Harn giebt zahlreiche Bacillenkolonien). Wiederaufnahme der früheren Behandlung. 31. März. Schmerzfreies Wasserlassen 4—5 Mal in 24 Stunden. Harn bildet noch einen- geringen wolkigen Bodensatz. I. April. Auf Wunsch entlassen. Harn steril entnommen ist hellgelb, klar, sauer. Keine Eiweiss- oder Eiterreaktion. Nach Centrifugieren werden einzelne Eiterkörperclien und Epithclzellen nachgewiesen; das Plattenverfahren ergiebt noch Kolonien des Bact. coli. 5*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21704934_0077.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


