Vergleichung des Entwicklungsgrades der Organe zu verschiedenen Entwicklungszeiten bei Wirbeltieren / von Albert Oppel.
- Date:
- 1891
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Credit: Vergleichung des Entwicklungsgrades der Organe zu verschiedenen Entwicklungszeiten bei Wirbeltieren / von Albert Oppel. Source: Wellcome Collection.
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![Bei allen Chordonierii hat die Chorda, wenn ihr erstes Auftreten beobachtet wird, eine bestiininte La,ue. Sie lie^t, ventral von der An- lage der Medullarplatte verlaufend, in der Längsachse des Tieres. Das hintere Ende der Chorda steht stets in irgend einer Beziehung zu der Anlage des Medullarrohres, das hintere Chordaende trifft seiner Lage nach mit der Anlage des hinteren Endes der Medullarplatte annähernd zusammen. Die Beziehungen, welche an dieser Stelle zwischen dem hinteren Chordaende und den verschiedenen Urorganen (Keimblättern etc.) zu bestehen scheinen, sind bei verschiedenen Tieren verschieden. Am einfachsten sind sie bei Amphioxus. Hier schlägt sich das äufsere Keim- blatt in das innere, aus dessen Dorsalseite die Chorda entsteht, um. Bei den Eiern, welche mehr Nahrungsdotter als das Amphioxusei be- sitzen, können die Verhältnisse nicht mehr so einfache sein, weil hier eben das Vorhandensein des ventral angesammelten Nahrungsdotters eine derartige Einstülpung immöglicli erscheinen läfst. Nahe stellen sich hier Cyklostomen, Amphibien und andererseits die Selacliier. Bei allen diesen läfst sich der oben angeführte Umschlagsrand und seine Be- ziehung zur dorsalen Darmwand, aus welcher sich die Chorda liildet, noch deutlich erkennen. Die Benennungen der Autoren betreffend „vorderen“ und „hinteren“ Urmundsrand stehen zu einander namentlich bei verschiedenen Tier- klassen direkt im Gegensatz. Um einen Zweifel auszuschliefsen, nenne ich den Umschlagsrand der Medullariilatte ins Chordaentoderm (hinterer Band des Selachiergastrula Babls [178] gleich vorderem Band des Gastrulamundes des Amidiioxus Hatscheks [62]) den chordalen Urmundsrand. Den entgegengesetzten nenne ich den Gegenrand apo Chorda len Urmundsrand. Die Ausdmeksweise dorsal und ventral vermeide ich hierbei, da dies wieder zu Mifsverständnissen An- lafs geben könnte. Die kompliziertesten Verhältnisse finden sich bei Vögeln, Beptilieu lind Sängern. Bei den genannten Tierklassen bleibt der Punkt, von welchem die Chordabildung ausgeht, gar nicht mehr ein Punkt des Bandes der Keimscheibe (wie es noch bei Selachiern der Fall ist), son- dern er verändert seine Lage. Wie dies zu denken ist, ob die Keini- scheibe eine Vergröfserung durch Auswachsen (spaltförmige Verwachsung) über diesen Punkt hinaus nach hinten erfährt, oder ob der Ausgangs- punkt der Chordabildiing in der unverändert bleibenden Keimscheibe allmählich hereinrückt, ist eine offene Frage. Hierüber Klarheit zu gewinnen, erschwert noch der folgende Umstand. Es beginnt bei Amnioten die Umwachsung des Eies in einem viel früheren Embryonal- stadium als bei Selachiern. Es vergröfsert sich die Keimscheibe durch Auswachsen zur Keimhaut in der Weise, dafs es zur Zeit, zu welcher die Urmundbildung sich zeigt, Schwierigkeiten macht, den Teil der Keini- haut, welcher der iirsiirünglichen Keimscheibe der Lage nach entspricht, abzugrenzen. Annähernd fällt dieser Teil jedoch mit dem späteren Embryonalschild zusammen. Der Umstand, dafs die Umwachsung in ein frühes Embryonalstadium gerückt wird, kann als zeitliche Ver- schiebung aufgefafst werden. Es ist ferner zu erwarten, dafs die Bildung des Urniundes stets an derselben Stelle erfolgt, da für eine örtliche Verschiebung kein Grund ersichtlich ist. Diese Stelle entspricht jedoch nicht dem Bande der Keimhaut, sondern dem Bande des Teiles, der dem ursprünglichen Bezirk der Keimscheibe gleichzustellen ist, d. h. dem hinteren Ende des Embrvonalschildes.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21994705_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)