Vergleichung des Entwicklungsgrades der Organe zu verschiedenen Entwicklungszeiten bei Wirbeltieren / von Albert Oppel.
- Date:
- 1891
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Credit: Vergleichung des Entwicklungsgrades der Organe zu verschiedenen Entwicklungszeiten bei Wirbeltieren / von Albert Oppel. Source: Wellcome Collection.
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![Die Fratic, wann der Beginn des Fischstadiuins in der Ontogenie der Fische oder Höherer anzusetzen sei, besprechen in der Litteratiir schon einige Notizen. Hat sch ek giebt von einem Ampliioxusembryo (Tabelle I Reihe 16), der sich in meinem II. ähnlichen ontogenetischen Stadium befindet, an: er zeige fischähnliche Form, die schon lebhaft an den Wirbeltiertypus erinnere. Bei diesem Tier sind jedoch die Organe, welche für recente Fische durchaus notwendig erscheinen, z. B. Kiemenspalten, noch nicht vorhanden. Rechnet man daher die weiteren Grenzen des Fischstadiums darnach, dafs bei einem Tier eine gewisse Anzahl von Organen wie bei recenten Fischen entwickelt sein müsse, so wäre dieses Amphioxusstadium noch nicht als Fischstadium zu bezeichnen. Die Möglichkeit wäre nun eine dojiiielte. Einmal können urweltliche Tiere, welche unseren recenten Fischen dem äufseren Habitus nach ähnlich sind, Organe der letzteren, z. B. Kiemensi)alten, noch gar nicht besessen haben. Die zweite Möglichkeit ist: es kann Amphioxus in seiner äufseren Körperform dem erwachsenen Amphioxus schon zu einer Entwicklungszeit ähnlich werden, zu der er noch in einem Stadium steht, welches einer Stammform ent- spricht, die dem Amphioxus noch sehr wenig ähnlich war. Diese letzte Auffassung scheint mir die besonders wahrscheinliche zu sein. Es ist, wie ja schon durch die Untersuchungen der Autoren (z. B. His [22]) bekannt geworden ist, eine Thatsache, dafs Embryonen in früheren Stadien, in welchen sie nach der Entwicklung ihrer Organe noch auf ganz niederer Stufe stehen, in ihrer äufseren Körperform schon Merkmale zeigen, welche auf ihren Ordnungs- selbst Familien- und Artcharakter schliefsen lassen. Auf welchen Ursachen diese Ähnlichkeiten beruhen, zu untersuchen, ist ein interessantes Kapitel, welches über manches Aufschlüfse verspricht. Für meine Untemichungen ist jedoch nur ein Teil der Faktoren, w^elche die äufsere Körperform zusammensetzen, nämlich der Entwicklungs- gi’ad der Organe mafsgebend. Ich kann deshalb z. B. das besprochene Amphioxusstadium nicht als Fischstadium in diesem Sinne anerkennen, vielmehr setze ich die Grenze des Fischstadiums folgenderniafsen fest. Ich habe dabei unsere recenten Fische, soweit sie Cranioten sind, im Auge: Es mufs mindestens eine Kiemenspalte durchgebrochen sein, ebenso die Rachenhaut. Die Sinnesorgane haben eine gewisse Ausbildung erreicht, das Auge besitzt eine vom Ektoderai abgeschnürte Linse, das Ohrbläschen hat sich vom Ektoderm gelöst oder gegen den Ductus endolym])haticus abgesetzt. Die ersten Zeichen, welche auf die beginnende Entwicklung des Riechorgans hinweisen, müssen zu erkennen sein. Das Medullarrohr ist vollständig geschlossen, das Gehirn zeigt eine Gliederung in fünf Blasen. Die Bildung der Vorniere ist erfolgt, auch hat die Bildung des Wolffschen Ganges und der Urniere begonnen. Als weitere Bildungen, welche aber zum Teil lange vor Beginn des Fischstadiuins erfolgt sind, nenne ich folgende: Abgliederung einer gewissen Anzahl von Urwirbeln, Chordabiklung, beginnende Gestaltung des Darmes zum Rohre. Bildungen, welche zu Anfang des Fischstadiums nur bei einzelnen erfolgt sind und meist erst im Verlauf des Fischstadiums in die Er- scheinung treten, sind folgende. Bildung der Leber, Auftreten von Blutkörperchen im Herz und den Gefäfsen des Embryo, Bildung der Epiphyse und der Hypophysistasche. Die letztere erfolgt bei vielen schon vor Beginn des Fischstadiums; es ist daher wahrscheinlich, dafs das 4*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21994705_0057.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)