Medizinisches aus deutschen Rechtsquellen / von Arthur B. Schmidt.
- Schmidt, Arthur B. (Arthur Benno), 1861-
- Date:
- 1896
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Credit: Medizinisches aus deutschen Rechtsquellen / von Arthur B. Schmidt. Source: Wellcome Collection.
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![— '7 — „Item, als oft ainer im gericht pluetrunstig geschlagen wurdet und das pluet auf die erden feit, so die herrschaft darzue kombt oder geklagt wurdet, ist peen fünf phunt pernerx). Weiterhin findet sich in der Rolle von Fleckstein, einem französisch überlieferten Weistum des Kantons Bern, die ausser- ordentlich altertümlich klingende Bestimmung-: „ . . si le coup est mos ou ensaigne fait a glaive ou baston, chabuse par maniere que trois gouttes de sang cheurent ä terre, le doit esmander de 9 livres et 8 sols de la monnaie susditte.2). Vielleicht forderte man anderswo in strenger Interpretation des Ausdrucks ein wirkliches Herahfliessen des Blutes, eine „effusio sanguinis defluentis wie esimWeistum von Lausanne8) heisst. Sichere Zeugnisse besitzen wir jedoch hierfür, trotz der grossen Zahl einschlagender Bestimmungen, nicht. Was sich an sinnenfälligen älteren Merkzeichen auf diesem Gebiete in den mittel- alterlichen Rechtsquellen erhalten hat, werden wir bei der Behand- lung der qualifizierten Wunden kennen lernen. Vorher sei nur noch eines Punktes gedacht, der gleichfalls mit der Frage der Erhaltung älterer Begriffsmerkmale der Verwundung im mittelalterlichen Rechte in Verbindung gebracht worden ist: Man findet mitunter bei Feststellung des Wundbegriffes in germanischen Quellen die Hervorhebung, dass „Wunden', die mit scharfer Waffe beigebrachten Verletzungen seien. Oft ist hierfür Grägas II, 369 citiert worden; auch Tit. XVII, 7 der Lex Salica4) wird als Beleg angeführt5). Andererseits fehlt im weit- aus grösseren Teile der germanischen Quellen die Betonung des Momentes der scharfen Waffe. Es darf deshalb mindestens als zweifel- haft gelten, ob wir den Gebrauch der scharfen Waffe überhaupt als Essentiale für den Wundbegriff des germanischen Rechts betrachten müssen. Fährt doch auch Grägas II, 369 nach den Worten „]>at er sär, er oddz farvegr er a eöa egiar fort: „Das ist auch 1) Oesterr. W., Bd. V, S. 702. 2) Grimm, W. IV, S. 453. 3) Grimm, W. V, S. 2, cap. 14. Das Stadtrecht zu Brixen spricht von „ab- flaizzigem pluot (Oesterr. W. V, S. 380). Vgl. hierzu auch das Recht der Stadt Landshut in Bayern, cap. II: „Item pro vulnere gravi stillaute sanguinem .... poena est judicis III ® cum dimidia &, laeso vero III &)'• (Gaupp, Stadtrechte, I, S. 153)- 4) Hesseis u. Kern, Cod. 1. 5) Wilda a. a. O. S. 731, Günther u. a. O. S. 47 fl. A. Schmidt, Medizinisches etc. O](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21004894_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


