Die indische Cholera in Sachsen im Jahre 1865 : auf Grund amtlicher Mittheilungen und eigener Wahrnehmungen / dargestellt von Rudolf Günther.
- Günther, Rudolf Biedermann, 1828-
- Date:
- 1866
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Credit: Die indische Cholera in Sachsen im Jahre 1865 : auf Grund amtlicher Mittheilungen und eigener Wahrnehmungen / dargestellt von Rudolf Günther. Source: Wellcome Collection.
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![machen: zu dem Behufe ward die beschmuzte Wäsclie sofort in Wasser eingeweicht, welchem Chlorkalk zugesetzt war: in dem Altenburger Siechhause, in welchem die dortigen Cholerakranken verpflegt wurden, wurde die Wäsche hierauf in siedendes Wasser gethan, mehrere Tage dann in einen Röhrkasten mit durch- laufendem Wasser gelegt und nachher erst gewaschen. Strohsäcke wurden ebenso behandelt: in den zur Aufnahme der Dejectionen bestimmten Gefässen befanden sich stets Desinfectionsmittel, in den meisten Krankenhäusern Eisenvitriollösung, in dem zu Glau- chau das Müller -Schiir'sche Pulver, bestehend aus: 100 Theilen gemahlenen Aetzkalkes, 20 „ trockenen Holzkohlenpulvers 10 „ trockener Sägespäne Vi 5 „ roher Carbolsäure.*) In Altenburg wurden die Auswurfstoffe und das Stroh in eine ausserhalb des Gehöftes gelegene, dichtgemauerte und verdeckte Düngergrube gebracht, in welcher sich eine Pumpe zum Entfernen der Flüssigkeit befand: auch diese Grube ward fortwährend desin- ficirt. Den Krankenhäusern in den übrigen epidemisch ergriffenen Orten standen solche besondere Gruben nicht zur Verfügung, und ward daher die gewöhnliche Düngergrube benutzt, diese aber fleissig desinficirt. Die besudelten Stellen der Dielen wurden mit Chlorkalk gescheuert, ausserdem die Luft in den Krankenzimmern durch fieissiges 0offnen der Fenster erneuert. In Werdau ward in der letzten Zeit der Epidemie auf den Vorschlag des Dr. Clemens in Frankfurt („Deutsche Klinik, Nr. 44, 1865) die Chlorkupferlampe angewendet, die sich in der That als ein sehr bequemes Mittel erwies, bewohnte Räume in nicht lästiger Weise binnen kurzem mit Chlordämpfen zu imprägniren. Die Vorschrift des Dr.. Clemens lautet: „Eine gewöhnliche gläserne Spirituslampe mit einem Baum- woliendocht wird gefüllt mit einer Mischung aus Liq. Cupri Per- chlorat, concentr. 5jj. Chlorof 5]- Spir. Vini Bvj, und der Docht an- gezündet. Sofort entwickeln sich Chlorkupferdämpfe, welche ein Zimmer von 16 Fuss Quadrat und 20 Fuss Höhe in 5 Minuten *) Da sicli das Pulver in dieser Zusammensetzung leicht entzündet, namentlich wenn es feucht geworden, oder von Haus aus feuchte Sägespäne dazu genommen worden, so scheint es gerathen, statt des gemahlnen Aetz- kalks gelöschten Kalk zu nehmen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2228106x_0132.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)