Handbuch der Lehre von den Geweben des Menschen und der Thiere / unter Mitwirkung von J. Arnold [and others] ; herausgegeben von S. Stricker.
- Date:
- 1871-1872
Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der Lehre von den Geweben des Menschen und der Thiere / unter Mitwirkung von J. Arnold [and others] ; herausgegeben von S. Stricker. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
1271/1302 (page 1223)
![wurden auf denselben auch Querschnitte der Fibrillen sichtbar. CoiiNnEiM i) hat später das Erfrieren frischer Muskolfasern methodisch durchgeführt und gezeigt, dass die Querschnitte solcher Fasern als Querschnitte durch das lebendige Gewebe anzusehen sind. Aus solchen Schnitten nun hatte er die eigentliche Muskelsubslanz zusammengesetzt gefunden, aus zwei ganz ver- schiedenen Substanzen, und zwar einer von grosser Durchsichtigkeit und starkem Glanz und einer von geringerer Durchsichtigkeit und mattem Aus- sehen, die in ungleicher Massenvertheilung angeordnet sind. Die slarkglän- zende Substanz beschrieb er als ein dichtes Gitterwerk schmaler, nur an ein- zelnen Stellen sich verbreiternder Linien, die sich unter allen möglichen Win- keln durchschneiden; die matte Substanz aber als mosaikartig angeordnet, in Gestalt zahlloser kleiner Dreiecke, Vierecke und Fünfecke, die von einander durch die schmalen Säume der durchsichtigeren Substanz geschieden werden; an einzelnen Stellen seien die Körperchen des Mosaik weiter von einander entfernt, die glänzende Substanz reichlicher angehäuft, und es markiren sich mitten in diesen Stellen die Muskelkerne. Cohnheim sieht die matten Felder des Mosaik als die Querschnitte der Sarcous Clements an. Er führt demgemäss weiter aus, dass der Querschnitt der lebenden Muskelfaser der Längsansicht insofern entspricht, als,auch an jenem die Sarcous elements, umschlossen von einer zweiten differenten Substanz, sich präsentiren. In Bezug auf die Con- sistenz dieser letzteren, sagt Cohnheim, indem er sich auf die Arbeiten Kühne's stützt, dass sie nur einen flüssigen Aggregatzustand haben können. Aus dieser Darstellung ergab sich eine wesentlich neue Auffassung der Muskelstruktur und die lautet, dass Sarcous elements, von einer flüssisen Zwischensubstanz umgeben, schichten weise (Scheiben) wie die Schichten von Bausteinen einer Mauer über einander geordnet die Muskelsubstanz zusam- mensetzen. KöLLiKER 2) ist dieser Auffassung von Cohnheim wieder entgegengetreten ; er behauptet, dass die von Cohnheim beschriebenen Felder die Querschnitte von Muskelsäulchen sind, die er wieder als aus kleineren Fibrillenbündeln zusammengesetzt ansieht. Er fasst also den Querschnitt wieder im Sinne von Leydig und Rollett auf. Wie sich aus den Darstellungen Kühne's p. 149 dieses Buches ergiebt, fasst er den Inhalt in dem Sinne auf, wie sich aus der Dai'stellung Cohnheim's leicht ableiten lässt. So lagen die Sachenj, bis durch die nahezu gleichzeitig erschienenen Arbeiten von Krause und Hensen eine wesentlich andere Auffassung angebahnt wurde. Nach Mensen •■*) verhielt es sich mit dem Baue der Muskelfasern etwa wie folgt. 1) ViRcuow's Arcliiv Bd. 84.. 2) Siehe dessen Hondl)iich 1867 und Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 16. 3] Arbeiten aus dem Kieler physiologischen Institut. 1868.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907341_1273.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)