Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![I. Geschichte der Sauerstofftherapie. Von J. Pagel. Mit einem gewissen Nachdruck hat E. v. Leyden in seiner schlichten, aber gehaltvollen Kaiser-Wilhelm-Akademie-Rede vom 2. Dezember 1902 das therapeutische Denken als ein Merkmal der gegenwärtigen Medizin betont. Soll dies in allem Ernst als ihr Ruhmestitel gelten, so ist um der historischen Wahrheit und Gerechtigkeit Avillen daran zu erinner]], dass sich hierfür eine fast unmittelbare Kontinuität bis in das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen und nachweisen lässt. Denn worauf sonst waren die Systeme jener Zeit, der Brown'sche Schwindel, der Mesmerismus, die Homöopathie etc. gerichtet als au ftherapeutische Ziele, die den eigentlichen Kein und das Wesen dieser Theorieen büdeten? Wie sehr die ärztlichen Geister jener Zeit von „therapeutischem Denken geleitet und beherrscht wurden, wie sehr dieses den Angelpunkt ärztlicher Bestrebungen auch damals schon bildete, beweist recht deutlich die Tatsache, dass man sich beeilte, die beiden wunderbaren Kraft- formen, mit denen die Naturwissenschaft am Ende des 18. Jahi'hunderts be- kannt wurde, Elektrizität und Sauerstoif, in den Dienst der Heilkunst zu stellen. Die Geschichte der Sauerstoiftherapie ist hierfüi' kennzeiclmend: sie ist fast genau so alt als die Entdeckung selbst. 1777 hatte Priestley zuerst seine Beobachtung veröffentlic]]t, die bald darauf von Scheele, der neueren Forschungen zufolge das Gas schon vor Priestley und unabhängig von diesem entdeckt, aber seinen Fund zu publi- zieren unterlassen hatte, und von Lavoisier bestätigt resp.erweitert wurde. Diese Arbeiten waren kaum bekannt geworden, als man begann, die Entdeckung auf ihren Wert für die Heilkunst zu prüfen. Kein geringerer als Priestley selbst ist es, der auch hierfür die Priorität beansprucht. Bei verschiedenen Einatmungs- versuchen hatte er das Gefühl, als ob ihm seine Brust leichter würde und er bequemer Atem holen könnte. An Mäusen koimte er nachweisen, dass sie ceteris paribus dreimal so lange, in der „dephlogistisierten als in gewöhnbcher Luft lebten. Priestley erkannte auch bereits die rötende Kraft für das dunkle venöse Blut, und es ist lehrreich zu erfahren, dass er mit genialem Instinkt schon Indikationen und Kontraindikationen für den Sauerstoff formu-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


