Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![Jicrte, die ahsiiaclis abstrahendis unseren gegenwärtigen'Anschauungen sieh nähern. Danach würde die neue Ijiftari niitzlich sein, um eine iinvoJJ- kommene Verbrennung /n Nollcndcn. die gewöhnliche Luft zu er- gänzen, der Aspliyxie vorzubeugen, rcsp. sie 'zu heilen, d.h. Schein- lote wiederzubeleben; dagegen könnte, zu lange angewendet, der Sauerstoff (he Verbrennung übertreiben und konsumptiv wirken, eine Ursache der Ab- zehrung bilden. Priestley enrpfahl bereits Sauerstoff zur Reinigung der Lnft in den Hospitälern. \ on hier ab datiei'en, wie benici'kt, die Anfänge der Sauerstofi'tlierapie. Ihre Geschichte lässt sich zwanglos in zwei Perioclen teilen: eine ältere des rohen klinischen Empirismus, beginnend mit Enthusiasmus und überspannten Hoffnungen, nach kaum drei Jahrzehnten mit Misserfolg und Entsagung endend, und eine jüngere, in die zweite lläifte des 19. Jahrhunderts fallende, ein- setzend mit Kritik und Skeptizismus, nüchtern und fast schüchtern die Prüfung des Mittels wieder aufnelimend, es allmählicli in physiologischem Experiment und klinischer Erfahrung rehabilitierend und post tot et tanta in weiser Be- schränkung seine Bedeutung im Heilschatz für ganz bestimmte Indikationen, wie es scheint, für immer mit souveräner Geltung sichernd. Dank namentlich den Vr!)eiten der letzren Jalire handelt es sich fjoi dem Sauerstoff jetzt nicht: mehr um ein in seinen Wirkungen noch angezweifeltes oder unentschiedenes, sondern um ein endgiltig nach allen Richtungen hin geprüftes, genau gekanntes und mit Indikationen und Kontraindikationen fest- gesichertes Mittel, und es muss als ein unbedingtes Verdienst derv.Leyden- schen Schule gelten, dereii Bemühungen um die wissenschaftliche Begründung der physiologisch-diätetischen Therapie darin einen neuen Erfolg verzeichnen, dass für den Sauerstoff der Circulus therapiae sich wieder geschlossen hat. — Zwischen beiden Perioden liegt als eine ziemlich isolierte Phase der auf deutschem Boden vorübergehend eingetretene Ozonrausch, der eine besondere Würdigung erheischt. In gewissem Sinne kann ]nan allerdings auch \'on einem SauerstoflVausch sprechen. Denn sogleich nach seiner Entdeckung bemächtigte sich eine geradezu epidemische Schwärmerei für den Sauerstoff der Forscher und Forschungen aller Länder. Der Abbe Fontana in Florenz (1776), ein hervorragender Naturforscher, der berühmte Spailanzani, der tiraf Morozzo in Turin, der Professor der Pharmacie Macquer in Paris, Achard in Berlin u. v. A. wieder- holten die Experimente Priestley's und konnten seine Beobachtungen be- stätigen. Morozzo stellte fest, dass Sauerstoff imstande sei, asphyktische Tiere ins Leben zu rufen. Mac quer empfahl Sauerstoff als Lebensrettungs- mittel bei Asphyxie dur-ch mephitische Gase. Die ersten rein therapeutisclien Versuche am Menschen machte Chaussier bereits um 17''80 bei Dyspnoe der Phthisiker und bei asphyktisch geborenen Kindern. Zu diesem Zwecke kon- struierte und beschrieb ('haussier einen besonderen Kehlkopftubus. 1783 be- richtete Caillens über zwei durch Einatmung von reinem Sauerstoff angeblich geheilte Phthisiker. In der Doktordissertation von Alexandre Poulle (Mont- pellier 1784) kommt bereits die üebei'treibung zu vollem Ausdruck, deren sich die ersten Experimentatoren bei der tjierapeutischen Würdigung des Sauerstoffs schuldig machten. Poulle rühmte ihn als unfehlbares Mittel gegen Pest und gegen Fieber und Infektionskrankheiten aller Art. Johann Ingen-housz aus Rotterdam, Arzt in Wien (f 1799) studierte die Wirkung des Sauerstoffs zu- nächst an Pflanzen, die an der Luft der Sonne ausgesetzt wurden und experi- mentierte dann an seinem eigenen Körper. Er empfahl Sauerstoff ebenfalls](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


