Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![gegen maligne Fiebev (17S3) und riet seinem Kollegen Max Stoll, dem be- kannten Hauptvertreler der /ilteren Wiener Schule, ihn bei seinen eigenen asthmatischen Anfällen zu inhalieren (1784). Ingen-housz war auch einer der ersten, welche eine günstige Wirkung des Sauerstoffs in geeigneter Applikationsform bei unj-einen Wunden beobachteten. Mensching pries in seiner Doktordissertation (Gottingen 1787) die Wirkung des Sauerstoffs bei ]3rustkrankheiten, Phthisis, Astimui convulsivuni, lüliösen und malignen Fiebern u. a. m. Der schottische Physiologe Edmund Goodwyn in Edinburgh ver- öffentlichte 1786 eine Abhandlung, in der ei'. gestützt auf die Ergebnisse des Tierexperiments, Sauerstoff bei aspliyktischen Zuständen Ertrunkene]- em- pfahl. In eine]- preisgekrönten Arbeit ü1)er Eudiometrie (1787) berichtete dei' bekannte Genfer Arzt Louis Jurine über eine 31 jähi-ige Schwindsüchtige, die nach sechsmonatlicher i3ehandlung i)ei täglich zweimaliger Inhalation einer bestiminten Menge von 0 soweit sich besserte, dass sie lange Ausflüge zit Pferde machen konnte. Jurine's Spezialkollege Louis Odier verstieg sich später (um 1799) sogar zur Empfehlung des innerlichen Gebi'anchs von Sauer- stoff'wasser (Aqua oxygenata), das er l)ei Asthma, Hypochondrie, Hystei'ie, Krämpfen u. dergi. anwandte. Unter den Mitteln, welche 1789 der Arzt Gorcy aus Neu-ßreisach in einer Arbeit über die Wiederbelebung Asphyktische]- (1789) aufzählte, figurierte bereits de]- Sauei-stoff, der mittels besonderer „pompes apodopniques eingei)iasen we]'den sollte, eines Apparates, der vom Mederländer van Marum (1793) modihziert wurde. Heus Courtois schlug behufs bequemerer Applikation des Apparates die einleitende Tracheotomie vo]-. An die oben erwähnten ATbeiten von Caillens laiüpfte Chaptal (1789) an, der systematische Kuren an Schwindsüchtigen vornahm, wegen der un- angenehmen Neljenwii'kungen jedocli zu einer Ablehnung des Sauer-stoffs ge- langte. Ebenso warnte dei- bekamite Parisc]- Chemie-Professor Antoine Fran- Qois Fourcroy, dei- in den Jahren 1783—89 umfassende imd sj'stematische Prüfungen an Schwindsüchtigen anstellte, voi- Gelirauch des Sauerstoffs in dieser Krankheit. Er fand in etwa 20 Fällen anfangs Erleichlei'ung der Schmerzen und Milderung mancher Symptome, besonders auch des quälenden Hustens: indessen die Besserung war um- scheinbar; nach einiger Zeit traten reizende Nebenwirkungen, eine A^erstärkung der entzündlichen Zufälle und Vej-- schlechtei-ung des Allgemeinbefindens auf. Für die Schwindsucht wurden diese Angaben von C. L. Dumas bestätigt. Fourcroy sah dagegen sehr günstige Wirkungen von Sauerstoffinhalationen bei sogenannten „adynamischen Krank- heiten, bei Bleichsucht, Skrofulosis, Skorb]it, in manchen Fällen von englischer Krankheit, von „feuchtem Kalarrlt-- und asthmatischen Zuständen. Es wälirte nicht lange und man Ae]-suc]ite di<' gesammelten praktischen Erfalirungen in den Schnürstiefel der theoretischen Spekulation zu pi-essen, die Sauerstofitherapie zu einer Sauerstoffpathologie zu modeln. Eine im zwei- fachen Sinne pathologische Theoi-ie wurde an den Sauerstoff geknüpft. Es sollten gewisse Krankheiien von Mangel an 0 resp. Uebei^fluss an N herrühren. Es entstand eine förmliche pneumatische Schule. Die alte posthippoki-atische Sekte de]- Pneumatiker schien ihre Wiederauferstehung in modernisierter Form zu feiern. Die belebende Krait des 0 bewähi'te sich besondei's an dem Ber- liner Exti-aordinaTius Gottfried Christian Keich (1799), mit dessen von der |)reussischen Regierung angekaufter ]-esp. mit einem Jahresgehalt dotierter „Erfindung (im wahrsten Sinne des Worts) diese Theorie deii Gipfelpunkt des Unsinns e]-kJommen liatte. So wollte Thomas Ti'Otter (^London 1792)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


