Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![Todosni'icil fi'ir die SaiKM'sdtll'i li('i-a|)i<' cndii^ir, crlidji sicJi j(Hz1 i\\c litcrai'iscJio und pi'aJviiscIic Arboil iibci- den Saiiei'stoff zu iiniuer grössere]' Fülle. Die Tatsaelie, dass die Foi'scluiiii!; Iiierübei- nicht ruht, sondei'n allmählich zu einem breilen Strom anwäclist, s|)riclii an sich schon zu Gunsten des Mittels, für das u.a. namentlich Ephraim. Neumann und Lau di eintraten, während Kraus und Ciivostek zu den Vertretern der Opposition gehörten. Mehr und mehr spitzen sich die Anschauungen in deutlichei' und überwiegender Eni- stimmigkeit auf die Verteidigung des Öauerstoii's als eines souveränen Antidots gegen Koma bei gewissen Vergiftungen und gegen Asphyxieen aller Art zu. Diese Indikationen ergaben sich als Hauptresultat dcj- 1894—1895 erfolgten Publikalioncn von Thomson. Mery, Ashburn, S. S. Strycker und Maca- lisler (vergl. Bibliographie im Anhang). In das Jahr 1895 fällt die bemerkenswerte Arbeit des Berlinei' Physio- hjgen A. Loewy, der vom theoretischen Standpunkte u. a. auch auf den Nutzen des 0 als eines Antidyspnoicum in einer abnorm sauerstoffarmen Atmosphäre, z. B. gegen die Beschwerden der Bergkrankheit, ferner für solche Fälle hinwies, wo die 0-Zufuhr zu den Geweben durch mechanische Hinder- nisse beeinträchtigt ist, wie bei Erkrankungen der Luftwege, Bronchitiden, Katarrhen der kleinsten Bronchien, Asthma bronchiale, Stenosen, Fremdkörpern etc. Allerdings wendet Loewy auch ein, dass der resj3iratorische Gaswechsel in weiten Grenzen unabhängig ist von der respirierten Luft und dass die Ver- mehrung der Luft bis über das Doppelte mit (3 weder Kohlensäureausscheidung noch Sauerstoffzunahme zu ändern vermögen. Die allerjüngste Phase in der Geschichte der Sauerstofftherapie ist an Verireter der v. Ley den'sehen Schule geknüpft. Es ist das Verdienst namentlich des Herausgebers des gegenwärtigen Werkes, auf Anregung von v. Ley den auf dessen Klinik an einem umfangreichen Material von neuem eine systematische Prüfung des Materials vorgenommen und in verschiedenen grösseren Publikationen seine Bedeutung unter exakter Präzisierung und Um- grenzung der Indikationen nachdrücklich betont zu haben. Während E. Aron, G. Kleniperer mit ihrem wesentlich negativen Standpunkte in C. Speck's Ausführungen eine Stütze fanden, wonach „es zweifellos ist, dass die ver- änderte Lungenventilation und auch die Atemgymnastik ganz ausser stände sind, an unserem 0-Verbrauch und an unseren Stoffwechselvorgängen etwas . zu ändern, lauten die Beobachtungen und Mitteilungen von Brat (für die Methämoglobinvergiftung), E. v. Leyden, Schliep, Prochownik, Hagen- bach-Burckhardt (Beobachtungen an Kindern), Albert Salamonski u. a. überwiegend günstig. Ist auch schliesslich von dei; unübersehbaren Fülle der praktischen und literarischen Arbeit, die der Sauerstoff' hervorgerufen hat, nur ein Teil geblieben, welcher dauernde Bedeutung beansprucht, und haben sicli auch von den vielen Hoffnungen, mit denen man die Entdeckung des Mittels begrüsste, in dem man zeitweise eine wahre Lebensluft, ein neues A^erjüngungsmittel, eine Panacee \^on universellem Wert gefunden zu haben glaubte, wenige erfüllt, so ist doch immerhin etwas geblieben, das nicht zu unterschätzen ist. Hierin teilt der Sauer- stoff das Schicksal einer Reihe anderer, allmählich in harten Kämpfen füi- und wider dem Heilschatz einverleibter und Gemeingut unserer Kunst gewordener Mittel, ja, man darf sagen, das Schicksal der Therapie selbst. In dem Ent- wickelungsgange der j\Iedizin haben bekanntlich die Zeiten therapeutischer Polypragmasie mit denen des Nihilismus oft genug gewechselt. Die kritiklose Begeisterung, mit der man in menschlich verständlicher Einseitigkeit und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


