Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![fleckung des Sauerstoffs entsiand aus dem Beslrebeii. ihn der ri<Mlkniide nutz- bar zu niaelien. ein neue]- Zweig der Heilwissenscliaft, die .Saiierstoff- rlierapic. in der zunächst ani' Grund theoretischer, experinientelJ garnicht, gestütztei', J*]r\vägungen der Sauerstoff als ein Excitans bei Znständen von Schwäche, als Tonicum bei \erminderter „vitaler Energie, bei „Herabsetzung der Ernährungsprozesse — Vorgänge, die auch nur naturphilosophisch kon- struiert, nicht natnrwissenscliaftlich festgestellt waren — benutzt wurde. AVelchcn Umfang diese therapeutische Bewegung annahm, darüber gibt, die \ (irsl(?liend(' historisclie Uebersiclii ein klares Bild; insbesondere können die zusammenfassenden Arbeiten von Demarqnay f22) und Waiden bürg darüber orientieren (113V Kapitel 1. Die Oxydationsprozesse und ilire Lokalisation. Mit dem Beginn einer naturwissenschaftlich exakten Behandlung aucli der pathologischen Vorgänge mussten allerdings die Indikationen zur Sauer- stofftherapie sich sehr bald eine Einschränkung gefallen lassen. Die Meinung, der Sauerstoff stelle ein Anregungsmittel dar, erwies sich als haltlos und zwar am bestimmtesten auf dem Gebiete, auf dem er am meisten zu wirken befähigt schien, auf dem des Stoffwechsels. Nur bei manchen Blutaffektionen — Chlorose, Leukämie — wird von einigen Autoren auf Grund von Erfolgen bei seiner Verwendung auch heute noch eine fördernde Wirkung auf die Bildung der ßlutzellen angenommen. AVäre das zutreffend, so würden wir die eigen- tümliche Erscheinung haben, dass ein Plus an Sauerstoff ebenso auf die Blut- bildung wirken würde, Avie ein Minus an Sauerstoff, denn es kann durch die Untersuchungen der letzten Jahre wohl als feststehend betrachtet werden, dass verminderte Sauerstoffzufuhr zu den blutbildenden Organen die Neubildung von Blutzellen anregt. Sowohl Untersuchungen in der verdümiten Luft des Hoch- gebirges wie in der pneumatischer Glocken haben dies ergeben^). Schon die ersten Autoren, die genauer die Beziehungen des Sauerstoffes zu den Lebensprozessen studierten, Lavoisier und Seguin (69), kamen zu der Ueberzeugung, dass der Sauerstoff nicht den Umfang der Verbrennungs- prozesse reguliere, und die umfassenden und mit einer tadellosen Methodik durchgeführten L^ntersuchungen von Regnault und Reiset (97) befestigten den Satz, dass die Verbrennungsprozesse des tierischen Organismus in ihrer Intensitäi: und Art von der Menge des vorhandenen Sauerstoffes unabhängig seien, wenn dieser überhaupt nur..zur Deckung des Og-Bedarfes ausreiche. In demselben Sinne fielen die Ergebnisse von Fredericq, de Saint- Martin (86) und Durig (27) aus; nur nach Paul Bert (7) sollte eine massige Steigerung des Oa-Gehaltes der Atmungsluft die Verbrennungsprozesse steigern, eine erhebliche sie einschränken. Letzteres haben auch (:()uincjuaud (95), K. B. Lehmann (70) und Hill und xVIacleod (51) gefunden.. Die Steigerung der Oxydationsprozesse bei Zunahme der Sauerstoffdichte bis auf das Dreifache der Norm stützt Paul Bert nur durch wenige und einer scharfen Kritik nicht standhaltende Versuche, so dass wir diesen Teil seiner Angaben durch die späteren zahlreichen und exakten Versuche, welche Kon- 1) Die sehr umfängliche Literatur hierüber hat vor kurzem erst H. J. A. van Voorn- veld zusammengestellt (111).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


