Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis.
- Date:
- 1906
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Credit: Handbuch der Sauerstofftherapie / unter Mitwirkung von H. Brat [and others] ; herausgegeben von Max Michaelis. Source: Wellcome Collection.
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![Die Bedingungen der Sauerstoffaiifnahme nnd der Kohlensäureabgabe gehen bei den Erkrankungen der Luflwoge und des Kreislaufes miteinander parallel, das eine kann ohne das andere nicht normal und nicht ])athologisch geändert sein: das gilt natürlicJi nur so Jange, als die Einatinungsluft nicht künstli(;h in ihrem COo- oder 02-(Tehalt geändert wird. Wird durch verstärkte yVtmung die Oo-Aufnahme besser, so werden zu- gleich auch die Bedingungen für die Kohlensäureabgabe günstiger gestaltet, und der Körper entledigt sich nicht nur eines pathologischen Ueberschusses an CO2, sondern auch noch eines Teiles der normal in ihm aufgehäuften. Nun stellt aber die CO.j den wesentlichsten Reiz für die Atemtätigkeit — wenigstens bei Körperruhe — dar, und mit ihrer Ausscheidung sinkt die Anregung, die das Atemzentrum ei'fälni. und die sich in einer entsprechend umfangreichen Atemtätigkeit äussert. Eine über die gegebenen natürlichen Bedingungen gesteigerte Atmung kann bei der Verminderung der natürlichen Atemreize nur durch energischen Willensreiz bewirkt werden, dieser jedoch erlahmt sehr schnell und damit kehrt die Atmung zu ihrem frühei-en Verhalten zurück. Die AVirkung ge- steigerter Atmung kann also nur von ls:urzer Dauer sein. Bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen besteht zudem bereits eine ge- steigerte Atmung, Dyspnoe, sodass eine weitere Atmungssteigerung wenig oder gar nicht möglich ist. Dabei kann natürlich die Sauerstoffspannung in den Alveolen nie die durch den Oa-Grelialt der Atmosphäre gezogene Grenze über- schreiten, und kann sie niclit einmal erreiclien, da ja infolge der ununter- brochenen COo-Produktion die Alveolenluft stets eine gewisse Menge COo, zum mindesten wohl 2 pCt. fühi'en wird. Die Oo-Menge der Alveolen wird also in Folge dessen und wegen des ständigen Oo-Verbrauchs nicht leicht über 17 pCt. hinausgehen können. Das heisst aber, dass das Blut physikalisch nur das dieser Spannung entsprechende Quantum aufnehmen kann, und ebenso das Hämoglobin von seiner maximalen Sättigung entfernt bleiben muss. Um welchen Betrag es sich dabei handelt, wird sich aus dem nächsten Kapitel ergeben. Als günstiges Moment für die Oo-Versorgung der Gewebe kommt aller- dings die gesteigerte ßlutströmimg hinzu. Demgegenüber vermag O^-Einatmung die COo-Ausscheidung nicht erheblich zu beeinflussen. Nur etwa bestehenden Oo-Mangel vermag sie aufzuheben. Das Blut kommt dabei unter einen Üo-Druck in den Alveolen, der bis zu 95 pCt. betragen kann. Unter diesem vermag es sowohl physikalisch wie chemisch vi^eit mehr Og aufzunehmen. Allerdings ist die Blutströmung nicht gesteigert, wodurch die Oo-Versoi'gung der Gewebe gegenüber der bei gesteigerter iVtmungs- tätigkeit benachteiligt ist. 2. Haut und Darm. Die Lungen sind nicht der einzige Weg, auf dem eine Sauerstoffzufuhr zum Körper erfolgen kann. Neben ihnen beteiligt sich auch das Hautorgan daran, allerdings in so geringem Umfange, dass praktisch unter gewöhnlichen Umständen der Hautgaswechsel kaum in Betracht kommt. Genau untersucht ist bisher nur die Kohlensäureausscheidung durch die Haut. Sie beträgt bei kühler und anämischer Haut nur 2—8 g in 24 Stunden, das heisst weniger als 1 pGt. der gleichzeitigen Lungenatmung. Bei stark schwitzender Haut kann sie, wie Schierbeck (101) nachgewiesen hat, bis auf 4—5 pCt. des Lungengaswechsels anwachsen. 11. MicLaelis , SauerstofYtlierapie. 3](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21170484_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


