Volume 1
Handbuch der Anatomie des Menschen : mit Berücksichtigung der Physiologie und chirurgischen Anatomie / von Prof. Dr. C.E. Bock.
- Carl Ernst Bock
- Date:
- 1840
Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der Anatomie des Menschen : mit Berücksichtigung der Physiologie und chirurgischen Anatomie / von Prof. Dr. C.E. Bock. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by University of Bristol Library. The original may be consulted at University of Bristol Library.
31/568 page 5
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![€^eseBiiclite tler Anatomie. Man hat die AFiatomie aus den ältesten Zeiten herleiten wol- len, weil beim Schlachten der Thiere zum Opfer einzelne Organe (Leber, Herz) genauer beobachtet wurden, weil ferner die Aegj-jitier die Leichen e in bals ami rten und ihren Gästen beim Gastmahle ein axeT^eröv (nichts als eine hölzerne, einen Todten ähnliche Figur) als Mcwento mori vorfü]irten; allein die Scheu vor Leichen war bei den Aegyptiern, Juden, Chinesen und Indiern so gross, dass l)ei ihnen wohl nicht die Wiege der Zergliederungs- kunst zu finden ist. In Griechenland scheint der Ursprung einer wirklich untersuchenden Zergliederung zu suchen zu sein, was auch mehrere Andeutimgen über verloren gegangene anatomische Werke bestätigen. Man kann die Geschichte der Anatomie in die folgenden Zeitiäume abtheilen. I) Aerzte und Philosophen vor Aristoteles. Die altern griechischen Philosophen, Asciepiaden, bis und mit Hippocrates, beschränkten sich nur auf die äusserlich wahrzunehmenden Theile des menschlichen Körpers und auf Beob- achtungen, welche bei Verwundungen gemacht wurden, theils endlich auf Scldüsse, welche man von zergliederten Thieren auf den Men- schen machte. Denn nach griechischen Gesetzen durften Leiche name nicht verunehrt werden, und selbst die Thierzergliederung wurde nur heimlich betrieben. Die berühmten Männer dieses Zeit- raums sind: Anaxagoras von Klazoniene (450 a. Chr., seine Schüler: Pericles, Socrates und Euripides etc.), Zeitgenosse des Empedocles; Democritus aus Abiera (404—494 a. Chr.), Zeitgenosse des et^va 38 Jalue Jüngern Hippocrates; Alcm'don von Croton (500 a. Chr.), soll zuerst ein anatomisches Werk ffeschrieben haben, war Schüler des Pji:hagoras; Emjyedocles von Akragant, etwas später als der vorige, scheint die Schnecke im Ohre gekannt zu haben. Unter den Asciepiaden zu Kos und Knidos, welche nur wenig anatomische Kenntnisse besassen, pflanzten sich dieselben mündlich vom Vater auf den Sohn fort. Der berühmteste unter ihnen war Hippocrates von Kos (geb. 456, gest. 352 a. Chr.), der aber auch wenig anatomische Kenntnisse hatte und selbst keine Zergliederun- gen vornahm. Bis jptzt war also die Anatomie noch wenig vorgeschritten, höch- stens Zerglicdenuijren von Thieren wurden vorgenommen. Am be- sten .scheint man nuc.li die Osfeologic und Splandmologie gekannt zu haben; dagegen war die Angiolo^ie noch ganz roh, man setzte den Ursprung der Gefässe in den Kopf; die Nerven Avurden mit Bändern und Sehnen verwechselt? die Muskeln Avaren noch gar nicht als eigene Organe bekannt. II) Von Aristoteles bis Galen (340 a. Chr. — 1G0 p.Chr.) Aristoteles (ii(^h. 384, gest. 322a.Chr), der umfassendste Denker des ganzen Alterthunis, Lehrer und Freund Alexanders des Grossen, hatte wahrscheinlich durch die vielen Feldzüge desselben Gelegen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21443816_0001_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)