Philipp Stöhr's Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen : mit Einschluss der mikroskopischen Technik / von Wilhelm von Möllendorff.
- Philipp Stöhr
- Date:
- 1928
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Credit: Philipp Stöhr's Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen : mit Einschluss der mikroskopischen Technik / von Wilhelm von Möllendorff. Source: Wellcome Collection.
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![auffassen. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Untersuchungen die Richtigkeit dieser Vorstellung ergeben. Als Nuldeolarsubstanz bezeichnen wir größere Substanzkomplexe, die sich bei manchen Methoden anders als das Chromatin färben und im Kernsaft oder im Kerngerüst liegen [über diese Lagebeziehung ist eine Einigung noch nicht erzielt1)]. Den Nucleolus (Keimfleck) der Eizelle erkennt man in der gleichen Form im un- fixierten Präparat. In der Zeit des stärksten Stoffansatzes beim Wachstum der Ei¬ zellen vermehrt sich die Nuldeolarsubstanz, so daß bei den dotterreichen Eiern der Fische, Amphibien, Reptilien in dieser Zeit zahlreiche Nukleolen auftreten. Besonders aus diesen Tatsachen darf man den Schluß ziehen, daß die Nukleolarsubstanz ein Stoff¬ wechselprodukt ist, das sich bei regen Umsetzungen stärker ansammelt. Möglicher¬ weise treten auch zu bestimmten Zeiten Nukleolarsubstanzen durch die Kernmem¬ bran in das Zytoplasma über. Die wechselnde Zusammensetzung der Nukleolen (Vakuolen in ihrem Innern, die z. B. als Schroensches Korn im Keimfleck beobachtet werden, ferner aus verschiedenen Substanzen bestehende Nukleolen) dürfen auch als ein Zeichen der passiven Natur angesehen werden. Die äußerst wechselnde Form des Zellkernes, wie die Mannigfaltig¬ keit seiner Zusammensetzung wird bei der Besprechung der verschie¬ denen Gewebszellen klar zutage treten. Stets aber finden wir, mehr oder weniger abgewandelt, die Bestandteile wieder, die der Kern der Eizelle auf weist. B. Teilung, Wachstum und Differenzierung. Von den meisten in der Eizelle sich abspielenden Lebensvorgängen können wir morphologisch nichts erkennen. Eine deutliche Veränderung in der Anordnung der Zellsubstanzen wird erst sichtbar, wenn die Ent¬ wicklungsvorgänge einsetzen, die zur Ausbildung eines zusammenge¬ setzten Organismus führen. Der Beginn dieser Entwicklung ist bei den meisten Tierarten an die Befruchtung durch eine Samenzelle gebunden. Über die Organisation der Samenzelle s. später; über den Befruchtungs¬ vorgang s. die Lehrbücher der Entwicklungsgeschichte. Die befruchtete Eizelle enthält außer den umgewandelten Sub¬ stanzen der Eizelle noch den Kern und Teile des Zytoplasmas der Samen¬ zelle, die bei der Befruchtung in die Eizelle hineingelangt sind. LTnter diesen neu hinzugekommenen Bildungen ist das Mikro Zentrum be¬ sonders auffällig. Im Zytoplasma befruchteter Eizellen nimmt diese Bildung die Mitte eines kleinen helleren Hofes ein, der als Zentrosoma bezeichnet wird. In ihm lassen sich ein, zwei (oder mehrere) Zentral¬ körperchen (Zentriole) nachweisen, die mit bestimmten Färbemethoden deutlich scharf hervortreten. An die als Zentrum bezeichnete Struktur knüpfen sich bei den bald nach der Befruchtung einsetzenden Zellteilungen die auffallendsten Veränderungen in der Anordnung des Zytoplasmas. Inwieweit das Zentrum in der unbefruchteten Eizelle noch vorhanden ist (s. Balbianischer Dotterkern, S. 7), ist unbestimmt. Neben solchen zytoplasmatischen Veränderungen ist es besonders der Zellkern, der in einer merkwürdig regelmäßigen Folge Umwandlungen erleidet, wenn es sich darum handelt, das gesamte Zellmaterial zu teilen. Die vollkommenste Teilung, d. h. eine Teilung, bei der eine möglichst 1) Siehe hierüber und über andere Fragen des Zellkerubaues besonders M. Heidenhain, Plasma und Zelle 1907, Bd. T.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31363532_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)