Der Veterinär-papyrus von Kahun : ein Beitrag zur Geschichte der Tierheilkunde der alten Aegypter / herausgegeben von H. Neffgen.
- Date:
- [1904]
Licence: In copyright
Credit: Der Veterinär-papyrus von Kahun : ein Beitrag zur Geschichte der Tierheilkunde der alten Aegypter / herausgegeben von H. Neffgen. Source: Wellcome Collection.
21/42 page 13
![in den damaligen Stand der Tierheilkunde. Grosse Diagnostiker waren die alten Aegypter nicht, sie waren nur Symptomatologen, die aus den Symptomen, die an irgend einer Körperstelle auftraten, nur eine Krankheit l'eststellen konnten, die in dem betreffenden Teile sass; dagegen aus verschiedenen Symptomen, die zu gleicher Zeit an verschiedenen Körperteilen, wie Magen, Kopf, Muskeln, auftraten, ein Ganzes zu bilden, wie wir es heute gewöhnt sind, war ihnen einfach unmöglich! Allerdings, für die damalige Zeit kann man die ägyptischen Mediziner tüchtig nennen, was ja selbst ihre griechischen und römischen Collegen unverholilen gestehen. Am besten ver.standen sich die alten Aegypter auf Augen- krankheiten, welch letztere ja heute noch in Aegypten häutig auf- treten und gefürchtet sind, ln fast allen medizinischen Papyri nimmt das Kapitel über die Augenkrankheiten einen sehr grossen Raum ein, und auch in unserem Papyrusfragment ist nur von Augenkrank- heiten die Rede, und zwar sind verschiedene Tiere angeführt: Fisch, Vogel, Hund, Ochse und noch ein Tier, dessen Name verloren ge- gangen ist. Mit diesem letzteren, das aber ein hundeartiges Tier gewesen sein muss (s. Uebersetzung a), beginnt der lesbare Text, der aber auch noch zerstört ist. Am Anfänge ist von den Augen des betreffenden Tieres die Rede, dann folgen Symptome, die auf eine Allgemeinerkranknng des Tieres schliessen lassan: »Hinfälligkeit, stinkender Atem wde des Amamu.« Das Amamu ist ein unbekanntes Tier, das auch im Papyrus Ebers genannt wird: Tafel 91, 10. Dort ist von einer Krankheit des Ohres die Rede und es heisst alsdann: »Mache für ihn ein Mittel des Austrocknens der Wunde: Kopf des Amamu . . . < Ob es, der Schreibweise unseres Papyrus nach zu urteilen, eine Ratte oderein Ichneumon ist, mag dahingestellt bleiben; an das letztere Tier wäre schon eher zu denken, da das Ichneumon in der Gefangenschaft einen ekelhaften Geruch von sich giebt. — Weiter heisst es: »Das Zahnfleisch ist rot eingefasst,« d. h. blutig und geschwollen, und der Schluss lautet, in der Ergänzung: »[so sage], der Hund hat ein Nest von einem Wurm.« Aus diesem Fragment lässt sich wohl ersehen, dass es sich hier nicht um eine Augenkrankheit allein handelt, sondern um eine Allgemeinerkrankung des Tieres, bei welcher die Augen natürlich in Mitleidenschaft gezogen sind. Da aber die Augenkrankheit, die vielleicht ganz nebensächlich war, dem Reobachter zuerst auffiel.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24857804_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


