Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von C. von Noorden und S. Isaac.
- Carl von Noorden
- Date:
- 1927
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Zuckerkrankheit und ihre Behandlung / von C. von Noorden und S. Isaac. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Das Zustandekommen der Aderlaßhyperglykämie ist offenbar an den Gly¬ kogenbestand der Leber gebunden. Beim Hungertiere fällt sie schwächer aus, während sie nach reichlicher Kohlenhydratfütterung stärker ist und auch Gly- kosurie nach sich zieht (J. Bang, E. Hirsch). Daß es sich um eine direkte Wirkung auf die Leber handelt, folgerte F. Schenck aus freilich nicht beweiskräftigen Versuchen, wobei er durch Ausschalten der Leber, nach Abbinden aller zu- und abführenden Gefäße, die Aderlaßhyper¬ glykämie verhindern konnte. Später zeigte M. Nishi, daß nach Splanchniektomie und nach Nebennierenexstirpation die Aderlaßhyperglykämie nicht ausbleibt, und klärte damit endgültig auf, daß sie direkter Beeinflussung der Leber durch die Blutentziehung entspringt. Die Aderlaßhyperglykämie geht der posthämorrhagischen Blutverdünnung parallel (Ein¬ schwemmungshyperglykämie); dies besagt, sie könnte Folge des Abströmens von Wasser aus den Geweben in das Blut sein. Dieser Wasserabfluß bewirkt auch Entquellung in der Leber, wodurch die V irksamkeit der diastatischen Fermente infolge Verringerung der räumlichen Distanz von Glykogen und Ferment erhöht wird (Besser; S. 8). Bei bereits bestehender Hyperglykämie (Diabetes) wurde eine weitere Steigerung derselben durch Ader¬ laß vermißt (J. Löwv). Die in diesem Abschnitte besprochenen Formen experimenteller Hyper¬ glykämie sind theoretisch von großem Interesse, sie haben aber einstweilen für die Theorie des wahren Diabetes keine wesentliche Bedeutung erlangt. VIII. Hyperglykämie durch Adrenalin. Die Adrenalinhyperglykämie und in ihrem Gefolge die Glykosurie ist — wie wir sehen werden der Ausfluß einer Wirkung auf die sympathischen Nerven¬ endigungen in der Leberzelle, denselben Nervenendigungen, welchen bei der Piqüre der Reiz vom Zentrum aus zufließt. Das Adrenalin als Produkt des Neben¬ nierenmarkes ist die physiologische sympathikotrope Substanz. F. Blum entdeckte im Jahre 1901, daß subcutane Injektion von Nebennierenextrakt beim Kaninchen und Hund vorübergehend Zucker in den Harn treibt. C. A. Herter, 0. v. Fürth, J. Takamine u. a. zeigten dann, daß die wirksame Substanz der Nebennieren das alsbald auch durch Stolz synthetisch hergestellte Suprarenin ist, welchem folgende Formel zukommt: OK ')CH(OH)—CH2NH2CH£ OK Auf synthetischem Wege gelangt man zunächst zu dem racemischen dl-Adrenalin, während das natürlich vor kommende linksdrehend ist. Das aus dem racemischen Präparat gewonnene rechtsdrehende Adrenalin ist bedeutend weniger wirksam als das linksdrehende. Die Fähigkeit der Erregung sympathischer Nervenendigungen kommt nicht nur dem Adrenalin zu, sondern zahlreichen aromatischen Aminen (Barger und Dale). Die \\ irkung auf die sympathischen Nervenendigungen ist um so ausgesprochener, je näher die v 111 ]lir c . hetreffenden Substanz sich der des Adrenalins nähert. S. Morita fand unter den a^enalinahnlichen Substanzen am wirksamsten das Mono-Äthylaminoacetobrenzcate- /rvm cu n,A3TiTr0—£H2~NHK2H5 und das Mono-Äthanolaminoacetobrenzcatechin \ n' AgH3 DO—-CH2 NH • CH2—CH2OH. Andere ähnlich konstituierte Substanzen waren von geringerer W irksamkeit. Auch das allerdings ganz anders konstituierte Tetrahydro- naphthylamin bewirkte zwar in größerer Dosis Hyperglykämie, brachte aber wegen Hemmung der Diurese keine Glykosurie zustande. Der durch Adrenalin hervorgerufenen Glykosurie geht immer Hyperglykämie voraus, wie zuerst G. Zulzer (1901) und L. Metzger (1902) zeigten. Die einmalige subcutane In¬ jektion führte bei den \ ersuchstieren immer zur Glykosurie, während die intravenöse Ein¬ spritzung trotz vorhandener Hyperglykämie wegen Hemmung der Diurese keine Zucker¬ ausscheidung zur Folge hat. Auch bei häufiger Wiederholung der Injektionen kann die Gly-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31358652_0070.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)