Zur Geschichte der mittelalterlichen Heilkunst im Bodenseegebiet / [Karl Baas].
- Baas, Karl, 1866-1944.
- Date:
- 1903]
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Credit: Zur Geschichte der mittelalterlichen Heilkunst im Bodenseegebiet / [Karl Baas]. Source: Wellcome Collection.
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![kanzlers Kaiser Ludwigs des Deutschen und Abtes von St. Gallen, gewesen, dessen Schüler wiederum Walafried Strabo war. Von den „naturwissenschaftlichen Büchern“ nun werden aufgeführt: Die „Etymologien“ des Isidorus von Sevilla, worin bekanntlich auch medizinische Abschnitte enthalten sind; von dem- selben Verfasser sowie von dem sogenannten Plinius secundus: de naturis rerum et differentiarum; von Beda: de naturis rerum; Arati de astrologia; ferner Bücher über Arithmetik und Geo- metrie, Geographie und Alchemie. Von medizinischen im engeren Sinne waren vorhanden: Ein mit einem nicht näher bezeichneten Buche Galens zu- sammen genannter „liber perisfegmonis de positione et situ (statu) membrorum “, womit die Pulslehre (reoi opvyu@v) und die Anatomie desselben Verfassers gemeint sein kann; ein liber Alexandri (von Tralles?); ein „liber Vindiciani“ (4. Jahrhundert) „de olei[ls]confectionibus“ und von dem gleichen Autor „epistolae« ; sodann confectionum malagmatum antidotum et emplastrorum et dicta medicinae in codice uno“; ferner „Prognostica Demo- criti“; der „herbarius“ des „Apuleius Platonicus“ (4. Jahrh.); mehrere nicht genauer bezeichnete medizinische Bücher und „Excerpta“ aus solchen; schließlich noch des Publius Vegetius Regnatus (4. Jahrh.) neuerdings von Lommatzsch heraus- gegebene „mulomedicina“, wie ja auch sonst die Benediktiner sich der Tierheilkunde angenommen haben. Sicherlich hat in der Bibliothek der wohl erst nach Reginberts Zusammenstellung verfaßte „Hortulus“ des obengenannten Abtes von Reichenau, Walafried Strabo, welcher von 842 — 849 regierte, nicht gefehlt; gerade dieses Buch, in welchem 23 heil- kräftige Pflanzen aufgezählt werden, zeigt uns, daß die Arznei- kunde in dem Kloster nicht nur nach den Büchern studiert, sondern auch praktisch gepflegt wurde. Während uns aber für eine ärztliche Tätigkeit des Begründers des Heilkräuter-Gartens Zeugnisse nicht vorliegen, werden uns in den etwa aus dem ersten Drittel des neunten Jahrhunderts stammenden „Confraternitates Augienses“ als „medici“ drei Mönche namens Geilo, Teilo und](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b33436332_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


