Grundzüge der theoretischen Chemie / von Lothar Meyer. Mit zwei lithographirten Tafeln.
- Lothar Meyer
- Date:
- 1890
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Credit: Grundzüge der theoretischen Chemie / von Lothar Meyer. Mit zwei lithographirten Tafeln. Source: Wellcome Collection.
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![seitigen Bindung verbrauchen. Ausserdem aber haben wir uns möglichst zu versichern, dass ungesättigte Affinitäten in der Verbindung nicht Vorkommen. Die Entscheidung, ob dies der Fall sei, ist oft sfchwer zu treffen, da, wie schon oben § 40 angegeben, bei geringer Stärke der Verwandtschaft die Elemente nicht die volle Zahl einwer- thiger Atome feslhalten. Man sieht, dass die Bestimmung des Werthes eine nur mit Vorsicht zu lösende Aufgabe ist; und man darf sich daher nicht wundern, dass sie nicht immer richtig ausgefallen, der Werth nicht selteu zu klein gefunden worden ist. § 42. Unregelmässigkeiten des chemischen Werthes. Die grosse Regelmässigkeit in der Abhängigkeit des chemischen Werthes von der Grösse des Atomgewichtes ist nicht ohne Aus- nahmen. Es giebt unzweifelhaft Verbindungen, welche mehr Chlor, Brom oder Sauerstoff enthalten, als dem regelrechten che- ] mischen Werthe entsprechen würde. Man kann zwar manche . dieser Verbindungen als sogenannte Molekularaggregate, ent- standen durch Zusammenkrystallisiren mehrer fertiger, in sich geschlossener Molekeln betrachten, so z. B. die schön krystal- lisirende Verbindung: P1CI3Br4 als PCl3Br2 + Br2 oder als PCI) Br2 + Br2; dieselbe Betrachtung ist vielleicht auch noch zulässig bei dem leicht zerfallenden Kaliumlrijodid KJ:j = KJ + J2, aber sie ver- sagt bei anderen Stoffen. Goldchlorid, AuCl3, ist unzweifel- haft eine richtige chemische Verbindung, und das Gold daher dreiwerthig und nicht, wie es seine Zugehörigkeit zur ersten Familie erwarten liess, nur einwerthig. Das Oxyd des Kupfers CuO könnte, da es nicht flüchtig, sein Molekulargewicht daher unbekannt ist, wohl als Cu — Ö — 0 — Cu gedeutet werden; bei dem Chlorid CuCl2 ist dies aber nicht möglich. Zudem ist das Kupfer isomorph mit dem zweiwerthigen Zink und daher ohne Zweifel selbst zweiwerthig. Seine Zugehörigkeit zur Fa- milie I zeigt sich aber dariu, dass das Chlorid CuCl2 nicht flüch- tig ist, sondern zunächst die Hälfte seines Chlores verliert und sich als Ghlorür verflüchtigt. Jedoch ist dessen Molekularge- wicht aus der von Victor Meyer bestimmten Dampfdichte zu Cu2Cl2 berechnet worden, also ebenfalls einem zweiwerthigen Elemente entsprechend: CI — Cu — Cu — CI. Wir müssen uns zur Zeit begnügen, diese Ausnahmefälle zu verzeichnen, ohne für sie eine besondere Erklärung geben zu können. § 43. Theoretische Deutung des chemischen Werthes; Wesen der Affinität. Da die Wissenschaft sich nicht mit der einfachen Kenntnis der Thalsachen begnügt, sondern die Er- forschung ihres ursächlichen Zusammenhanges erstrebt, so hat](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28060350_0086.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)