Vergleichende Untersuchungen über den Einfluss des Sauerstoffs auf die Reflexerregbarkeit. / von Albrecht Bethe.
- Bethe, A. (Albrecht), 1872-
- Date:
- 1906
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Credit: Vergleichende Untersuchungen über den Einfluss des Sauerstoffs auf die Reflexerregbarkeit. / von Albrecht Bethe. Source: Wellcome Collection.
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![Steigerung. (Hund>Frosch>Gründling^Krebs>Blutegel.) [Vergl. Rosenthal, 2.] 2. Die bei Warmblütern zu beobachtenden Verblutungs- und Erstickungskrämpfe beruhen nicht auf Kohlensäureretention, sondern auf Sauerstoffmangel, da sie am isolierten Rückenmark nicht bei der Atmung kohlensäurehaltigen Sauerstoffs, wohl aber bei Wasser- stoffatmung auftreten. Auch bei Kaltblütern (Frosch, Krabbe) treten Erstickungskrämpfe bei Sauerstoffentziehung ein, wenn der Sauer- stoffverbrauch durch Wärme gesteigert ist (vergl. Winterstein). Der Ausbruch der Erstickungskrämpfe fällt mit dem Maximum der Erregbarkeitssteigerung annähernd zusammen; doch kommt zu der Erregbarkeitssteigerung, wie es scheint, noch etwas anderes hinzu, nämlich eine Aufhebung der Hemmungen und aller der Wieder- stände, welche das normale koordinierte Zusammenarbeiten ermög- lichen. (Vergl. Freusberg 3., S. 188 und Sherrington. 1905. S. 290.) 3. Die Wirkung der Sauerstoffentziehung addiert sich beim Frosch zur Wirkung ganz schwacher Strychninvergiftungen, so dass Tetani zustande kommen, wo jede Schädigung allein keine Tetani hervorruft. 4. Kohlensäureretention ruft im allgemeinen nur eine Depression der Erregbarkeit hervor. Die Erregbarkeitssteigerung durch Kohlen- säure bei der Atmung der Säugetiere und Vögel ist ein Spezialfall (vergl. Winterst ein. 1904). 5. Sauerstoffüberfluss (im Gewebe) setzt die Erregbarkeit gegen die Norm herab und macht alle Reaktionen träger, indem, wie mir scheint, die Widerstände im Zentralnervensystem verstärkt werden. Am deutlichsten zeigt sich dies Verhalten beim Fisch (Gründling), Krebs (unter gewissen Bedingungen) und beim Blutegel. Beim * Frosch ist die Sauerstoffwirkung sehr gering. Beim Hund und Kaninchen hat Freusberg eine derartige Wirkung (bei künstlicher Atmung) deutlich nachweisen können. Bei Säugetier und Frosch ist von vornherein keine starke Wirkung gesteigerter Sauerstoff- zuführung zu erwarten, da das Zentralnervensystem unter normalen Verhältnissen (Ehrlich) nahezu sauerstoffgesättigt ist. Sehr wir- kungsvoll erweist sich dagegen die künstliche Zuführung von Sauer- stoff hei den Tieren, bei denen im ganzen Körper und auch im Zentralnervensystem unter gewöhnlichen Verhältnissen Sauerstoff- unterbilanz herrscht (Krebs, Blutegel). Auf die theoretische Bedeutung dieser Phänomene und ihren Zusammenhang mit anderen bekannten Erscheinungen des Zentral- nervensystems gedenke ich in einer Arbeit einzugehen, welche im](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22470086_0038.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)