Karl Schroeder's Lehrbuch der Geburtshulfe : mit Einschluss der Pathologie der Schwangerschaft und des Wochenbettes.
- Date:
- 1888
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Credit: Karl Schroeder's Lehrbuch der Geburtshulfe : mit Einschluss der Pathologie der Schwangerschaft und des Wochenbettes. Source: Wellcome Collection.
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![Anm. Ueber die Art und Weise der Aufnahme des Eies von Seiten der Tuben gingen die Ansichten bis in die neueste Zeit weit auseinander. Fast allgemeiii nahin man fruher an, dass die Menstruation mit einer der Erection ahnlichen Turgescenz der Fiinbrien verbundon sei, so dass die letzteren den Follikel umfassten und so das Ei aufnehmen. Rouget^) nahm hierbei noch eine Muskelthatigkeit zu Hiilfe. Henle^) und Bischoff^) wiesen diese Ansicht zuriiek, da audi die erigirten Fimbrien das Ovarium nur sehr unvoUstandig umfassen konnen, und da nach Bischoff's Beobachtungen an Thieren die Turgescenz der inueren Genitalien erst eintritt, wenn das Ei lange im Eileiter sicli befindet. Auch die Kehrer'sche Erklarung*), dass das Ei vermittelst eiuer Ejaculation in die Abdominaloffnung der Tube liineingeschleudert werde, konnte nicht geniigeu, da, wie Kiwisch^) sehr richtig hervorhebt, in der Bauchhohle Organ an Organ liegt, und eine Ejaculation deswegen factisch unmoglicli ist. Letzterer inahm an, dass die grosse Mehrzahl der Eier mit den angelagerten Fimbrien in Beruhrung kommt und dass sie dann durch die wimpernden Epithelien weiter befordert werden, und 0. Becker^) erweiteite die Moglichkeit der Aufnahme des Eies durch den Nachweis einer coustanten Stromung auf der serosen Oberflache des Bauchfelles, die, durch die wimpernden Zellen erregt, nach dem Ostium abdom. der Tube hingeht. Dass iibrigens dieser Mechanismus der Eiaufnahme von Seiten der Tube kein sehr vollkommener ist, leuchtet ein, und es ist von vornherein .ungemein wahrscheinlich, dass er nicht in alien Fallen geniigt. Wie viele Eier befruchtet oder unbefruchtet in der Bauchhohle zu Grunde ffehen, entzieht sich einer jeden Schatzung. Die Falle von Abdominalschwanger- schaft, d. h. die Falle, in denen das befruchtete Ei sich an irgend einer Stelle der Bauchhohle vreiter entwickelt, sind wohl schwerlich deswegen so seiten, weil ungefahr alle Eier von den Tuben aufgenommen werden, sondern wahrscheinlich, weil nur sehr uugewohnlicher Weise ein befruchtetes Ei in der Bauchhohle die Bedingungen zu seiner weiteren Entwicklung findet. Dass indessen die serose Stromung an der Tubenoffnung einen nicht ,ganz geringen Wiikungsbezirk hat, und dass somit die grosse Mehrzahl der aus den Graaf'schen Follikeln ausgestossenen Eier in die Tuben ge- langt, dafiir sprechen besonders die unzweideutig uachgewiesenen Falle von ausserer Ueber w anderung des Eies. d. h. die Falle, in denen ein aus • dem Eierstock der einen Seite ausgestossenes Ei von der Tube der andern Seite aufgenommen wird''). Erleichtert werden kann diese Aufnahme dadurch, ■ dass entweder durch Pseudomembranen das Ost. abd. der einen Seite an den JEierstock der andern Seite herangezogen wird, oder dass bei Verschluss des Ost. abd. eines Eileiters und folglich fehlender seroser Stromung dieser Seite • das Ei in den serosen Strom der andern Seite hineingerath. So lasst sich ein Fall von Bdlcitanshy^), in dem bei vollstandig pseudo- 1) Journ. de la phys. I. p. 320. — -) Handbiich d. .\natomie d. Menschen 1864. II. S. 470. — •■') Entwicklungsgeschichte S. 28. — Zeifschr. f. rat. Medicin. B. 20. S. 19. — Geburtskunde. B. I. S. 96. — ) Moleschotts Untcrs. zur Naturlehre. B. 2. S. 91. — S. Kussmaul, Von dem Mangel u. s. w. der ■Gebarmutter, S. .*]13, und Kloh, Pathologische Anat. der weibl. Sexualorgane ;S. 538. — 8) Allg. Wiener med. Z. 1860. No. 20.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21917462_0048.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)