Über Becquerelstrahlen und radio-aktive Substanzen / von W. Marckwald.
- Willi Marckwald
- Date:
- 1904
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Credit: Über Becquerelstrahlen und radio-aktive Substanzen / von W. Marckwald. Source: Wellcome Collection.
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![eine solche Intensität, dafs sie schon anf mehrere Dezimeter eintritt, so dafs sie z. B. auch bei der Annäherung des Salzes an den Hinterkopf zu Stande kommt, also gänzlich ohne Yer- mittelung des optischen Apparats des Auges. Es unterliegt nun keinem Zweifel, dafs die Lichtwirkung auch bei Blinden erzielt werden kann, sofern der eigent- liche Sehapparat nicht zerstört ist. Dagegen erscheint ausgeschlossen, dafs man die Erscheinung benutzen kann, um diesen Unglücklichen mit Hilfe der Becquerelstrahlen Gegenstände sichtbar zu machen. Es ist nicht möglich ein Bild zu erzeugen, weil das die Brechbarkeit der Lichtquelle, die ja den Radiumstrahlen fehlt, zur Voraussetzung hätte. Eine Refraktion findet nicht statt. Ferner aber werden die Strahlen doch nur sensibel, weil sie vermöge der Fluores- zenz der Medien, eine diffuse Helligkeit bewirken, die in allen Teilen des Auges sich geltend macht, und niclit wie die optischen Strahlen ausschliefslich in der Stäbchen- und Zapfen- schicht der Netzhaut percipiert werden, während alle übrigen Teile des Auges gegenüber Lichtstrahlen absolut unempfindlich sind. Also das blinde Auge kann mit Hilfe des Radiums nur einen diffusen Lichtschein wie das sehende Auge wahr- nehmen, keine Schatten, demnach keine Bilder, keine distinkten Empfindungen. Die physiologische Wirkung auf die Haut, welche die vom Radium ausgehenden Strahlen erzeugt, gleicht den bei der Röntgen])estrahlung bekannt gewordenen durchaus, nur macht sie sich in heftigerer Weise bemerkbar. Fixiert man ein mäfsig starkes |Radiumpräparat, das man in einer nach aufsen durch eine dünne Glimmerplatte abgeschlofsenen Kaut- schuckkapsel eingehüllt hat, auf der Haut, so genügt eine kurz dauernde (4—5 Minuten Scholtz) Einwirkung um nach 2—3 Wochen Haarausfall zu veranlassen, \vährend intensivere (10—15 Minuten Scholtz) Bestrahlung innerhalb der gleichen Frist eine lebhafte Dermatitis, Blasenbildung und Excoriatiou, noch länger währende (20—30 Minuten Scholtz) sogar eine tiefe in die Bindegewebe reichende Ulceration zur Folge hat.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21171798_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


