Volume 1
Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg.
- Date:
- 1911
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Der Harn : sowie die übrigen Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten von Mensch und Tier ihre Untersuchung und Zusammensetzung in normalem und pathologischem Zustande ein Handbuch für Ärzte, Chemiker, und Pharmazeuten sowie zum Gebrauche an landwirtschaftlichen Versuchsstationen / bearbeitet von A. Albu [and others] ; herausgegeben von Carl Neuberg. Source: Wellcome Collection.
882/1004 page 838
![verläßt. Da zugleich auch Tropin im Harn nachgewiesen werden konnte, so ist es wahrscheinlich, daß ein Teil des Atropins im Organismus in Tropasäure und Tropin gespalten wird und die Spaltungsprodukte oxydiert werden. In den Faeces kommt Atropin nicht zur Ausscheidung. Der Nachweis des Atropins im Harn beruht auf seiner Eigenschaft, alkalisch reagierenden Flüssigkeiten durch Äther entzogen zu werden. Man macht den Harn durch Soda oder Natriumbicarbonat alkalisch und behandelt ihn in einem Kutscherschen Extraktionsapparat mit Äther. Der entwässerte und filtrierte ätherische Auszug wird zum größten Teil abdestilliert und schließ- lich auf einem Uhrglas verdunstet. Das Atropin hinterbleibt als farbloser Lack, den man in ganz wenig schwach angesäuertem Wasser löst. Diese Lösung dient zur pharmakologischen und zur chemischen Prüfung. Zur pharmakologischen Probe bringt man 2 Tropfen dieser Lösung in den Bindehautsack eines Katzen- oder noch besser menschlichen Auges. Pu- pillenerweiterung tritt nach Feddersen1) beim Menschenauge schon durch 0,0002 mg Atropin sicher auf. Den Rest der Lösung verdampft man zur Anstellung der chemischen Probe in einem Porzellanschälchen zur Trockne und übergießt den Rückstand mit einigen Tropfen rauchender Salpetersäure. Nach dem Verdampfen der Säure fügt man einige Tropfen alkoholische Kahlauge hinzu, worauf eine schöne violette Färbung eintritt (Vitalis Reaktion). Das gleiche Verhalten wie Atropin zeigen Hyoscyamin, Homatropin und Scopolamin, die ebenfalls aus alkalischer Lösung mit Äther ausgezogen wer- den. Sie können nur durch die physikalischen Eigenschaften ihrer Goldsalze unterschieden werden. Chinin. C20H24D2N2 • Der Übergang unveränderten Chinins in den Harn ist durch Schmitz2) und Nishi3) nachgew'iesen worden. Der Beginn der Ausscheidung erfolgt binnen 15—30 Minuten. Die Dauer beträgt mehrere Tage. Es erscheint nur ein gewisser Bruchteil des eingeführten Chinins im Harn, über dessen Größe die Angaben schwanken. Nach einer einzelnen Gabe wurden 28,7—40,9% wieder ausgeschieden4), der größte Teil davon in den ersten 24 Stunden. Bei längerer Dauer der Darreichung schwanken die ausgeschiedenen Tagesmengen zwischen 19—.31 % der Einfuhr. Ein Einfluß der fortgesetzten Chinintherapie auf die Ausscheidungsgröße ist nicht wahrzunehmen. Was aus dem im Harn nicht wieder erscheinenden Chinin wird, ist unbekannt. Da in den Faeces nur Spuren des Alkaloids sich nachweisen lassen, ist es sehr wahrscheinlich, daß der größte Teil im menschlichen Organismus zersetzt wird. Irgendwelche Umwandlungsprodukte sind im Harn bis jetzt nicht aufgefunden w'orden. Zum Nachweis des Chinins ist zunächst erforderlich, es aus dem Ham zu isolieren. Man macht eine nicht zu kleine Menge Harn mit Natronlauge alkalisch und schüttelt mit Äther aus oder extrahiert in einem passenden Extraktionsapparat. Die durch ein trockenes Filter filtrierte ätherische Lö- sung wird verdampft und der Rückstand zu folgenden Reaktionen verwendet. 1) M. Feddersen, Beiträge zur Atropinvergiftung. Inaug.-Diss. Berlin 1884. 2) R. Schmitz, Archiv f. experim. Pathol. u. Pharmakol. 50. 301 [1907]. 3) M. Nishi, Archiv f. experim. Pathol. u. Pharmakol. 00. 312 [1909]. 4) Außer den genannten beiden Arbeiten vgl. noch F. K. Klei ne, Zeitschr. f. Hyg. u. Inf. 38, 458 [1901]. — G. Giemsa u. H. Schau mann, Beiheft z. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene 11, 1907. — P. Grosser, Biochem. Zeitschr. 8, 98 [1907].](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28123347_0001_0882.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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